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Yakuza Filme – Das geheime Leben in der japanischen Unterwelt

Sonatine | 1993– © Office Kitano

Kaum eine Verbrecherorganisation genießt solch ein verklärtes, romantisiertes Bild wie die japanische Yakuza. Natürlich weiß jeder, das die Yakuza ihre Finger (bzw. Teile davon) in verschiedenen kriminellen Geschäften haben und enge mit der Wirtschaft und sogar der Politik pflegen. Besonders die gesellschaftlich geächteten Bereiche, wie Prostitution, Müllabfuhr oder Glücksspiel sind in fester Hand der Yakuza. Und dennoch wirken die Yakuza auf merkwürdige, geheimnisvolle Weise interessant und anziehend. Diese Faszination wird auch von der Filmindustrie aufgegriffen, sodass bereits viele gute japanische Yakuza Filme entstanden sind. Von diesen Filmen möchten wir euch heute unsere Top 10 vorstellen. Dabei versuchen wir ein größeres Spektrum an verschiedenen Subgenres abzudecken und euch somit brutale, lustige oder auch nachdenkliche Yakuza Filme zu zeigen.

  1. Sonatine
  2. Outrage
  3. Why Don’t You Play in Hell?
  4. Battles Without Honor and Humanity
  5. Graveyard of Honor
  6. Twisted Justice
  7. Wives of the Yakuza
  8. Ryuzo and the Seven Henchmen
  9. Brother
  10. Engel der Verlorenen

Sonatine

Genre: Drama
Bewertung: 9 / 10
Keyword: Gewalt, Okinawa
Dauer: 94 min
Jahr: 1993
Regisseur: Takeshi Kitano

Murakawa ist ein Yakuza Mitglied und in seinem Geschäft erfolgreich. Sein Boss schickt ihn nach Okinawa. Dort soll er eine verpartnerte Yakuza-Gruppe beim Machtkampf gegen eine verfeindete Yakuza-Gruppe unterstützen. Murakawa versucht den Auftrag von seinem Boss zuerst abzulehnen, da er früher bei einem ähnlichen Einsatz 3 seiner Kollegen verloren hat. Da der Boss verspricht, dass dies kein zweites Mal passieren wird, fliegt er misstrauisch nach Okinawa. Nach einigen Tagen auf Okinawa wird die Situation heikel. Das Yakuza-Büro wird von einer anderen Gruppen angegriffen und dadurch sterben einige Mitglieder. Da die Situation völlig anders ist, als er vorher gehört hat, flieht er zunächst in eine andere Provinz Okinawas und lernt dort Sachi kennen. Bei ihr genießen sie ein paar friedliche Tage, aber der Frieden hält nicht lange und der blutige Kampf ums eigene Überleben beginnt.

In seinem vierten Film hat der Regisseur Takeshi Kitano ein Meisterwerk über das Thema Yakuza geschaffen. Durch diesen Film erlangte Kitano als Film-Regisseur Anerkennung. Zu Beginn der Produktion war ursprünglich ein spektakulärer Action-Film im Stil von „Stirb langsam“ geplant. Doch Kitano wandte sich dann eher einer realistischeren Darstellung zu, sodass der Film einen eher nachdenklich-künstlerischen Touch bekam. 

Outrage

Genre: Action
Bewertung: 8 / 10
Keyword: Brutal, Böse, Gewalt
Dauer: 109 min
Jahr: 2010
Regisseur: Takeshi Kitano

Der erste Teil der Outrage Trilogie zeigt das Leben des mächtigen Yakuza-Klan “Sanno-kai”, welcher die gesamte Region um Tokyo herum aus dem Schatten heraus regiert.. Bei einem traditionellen Yakuza-Bankett von Sanno-kai lädt der Anführer Sekiuchi seine Untergebenen ein. Der Vorsitzende Sekiuchi ist unzufrieden mit einem seiner Unterklans (“Ikemoto-gumi”), weil sie hinter seinem Rücken angeblich mit einem anderen Yakuza-Klan (“Murase-gumi”) zusammen Drogengeschäfte machen. Sekiuchi verlangt von Ikemoto die Murase-gumi zu zerstören und deren Machtgebiet zu übernehmen. Da Ikemoto seinem Geschäftspartner Murase aber nicht selbst in den Rücken fallen will, zwingt er wiederum seinen Untergebenen Otomo dazu, diese Aufgabe zu übernehmen.

Otomo führt diese Aufgabe auf seine Art und Weise durch und übernimmt die Murase-Gumi. Doch Otomo verliert durch diese Drecksarbeiten für Ikemoto langsam das Vertrauen in seinen Boss. Otomo leistet gute Arbeit und bekommt dadurch immer mehr Aufträge. Doch im Endeffekt ist er auch nur eine Schachfigur in diesem Kampf um mehr Macht, der eine nie enden wollende Spirale aus Gewalt und Brutalität ist. Der Film ist sehr brutal und beinhaltet harte Gewaltszenen, sodass er wohl für Kinder und zarte Gemüter nicht geeignet ist. In dem Film treten keine Guten auf, sondern man sieht eigentlich nur ein Spektrum an Leuten, die mehr oder weniger böse sind.

Why Don’t You Play in Hell?

Genre: Comedy
Bewertung: 8 / 10
Keyword: Entertainment, Filmdrehen
Dauer: 129 min
Jahr: 2013
Regisseur: Sion Sono

Der Yakuza-Boss Muto möchte für seine Frau, die im Gefängnis sitzt, einen Film drehen. Die Hauptdarstellerin soll seine Tochter Mitsuko sein, die vor der Festnahme ihrer Mutter eine bekannte Kinderschauspieler war. Mitsuko hat keine Lust und versucht zusammen mit ihrem ehemaligen Fan Koji vor ihrem Vater zu fliehen. Der Plan geht den Bach runter und die Yakuza schnappen die Beiden. Mitsuko belügt ihren Vater um Kojis Leben zu retten: Sie behauptet, dass Koji ein Filmregisseur wäre.

Koji holt seinen Bekannten, den jungen Filmregisseur Jun und seine Crew “Fuck Bombers” zu Hilfe. Jun hat den großen Traum, dass er innerhalb weniger Tage sein größtes Meisterwerk drehen würde. Während er die Filminhalte und das Konzept plant, hat Jun plötzlich eine abgefahrene Idee. “Was wäre, wenn man einen echten Yakuza-Film drehen würde?” Völlig überzeugt von seiner genialen Idee, schaffen sie es tatsächlich den Erzrivalen (Ikegami) von Muto mit ins Boot zu holen. So beginnt der Dreh für skurrilsten Yakuza-Film aller Zeiten. Der Film “Why Don’t You Play in Hell?” ist eine fantastisch Komödie von Sion Sono, die zwar blutig und brutal ist, aber ebenso viele lustige und abgefahrene Action Szenen zeigt. 

Battles Without Honor and Humanity

Genre: Action
Bewertung: 7.5 / 10
Keyword: Pflicht, Treue, Gewalt
Dauer: 102 min
Jahr: 1973
Regisseur: Kinji Fukasaku

Nach dem zweiten Weltkrieg in der Präfektur Hiroshima kommt der junge Soldat Hirono aus dem Krieg zurück. Er erschießt einen Raufbold für die Yakuza Bande “Yamamori-gumi” und muss deswegen ins Gefängnis. Dort lernt er den jungen Yakuza-Chef Wakasugi von der “Doi-gumi” kennen und hilft ihm beim Gefängnisausbruch. Nach der Freilassung wird Hirono durch Vermittlung von Doi-gumis Chef Wakasugi ein Mitglied der Yamamori-gumi, einem der Partner von Doi-gumi. Später verfeinden sich die Doi-gumi und Yamamori-gumi sich und um seine und die Existenz der Yamamori-Familie zu sichern, muss Hirono den Oberchef der Doi-gumi töten. Nach dem erfolgreichen Angriff landet Hirono wieder im Gefängnis. Durch die Zerstörung der Doi-gumi wird der Yamamori Klan immer mächtiger. Da es jedoch einige Unstimmigkeiten in der Yamamori-gumi gibt, entstehen interne Streitigkeit und der brutale Kampf fängt wieder an.

Der erste Teil der 5-teiligen “Battles Without Honor and Humanity”-Serie ist DER Klassiker innerhalb der Ninkyo Filme (Yakuza-Ritterfilm), welcher in den  60er und 70er Jahren produziert wurde. In einem Ninkyo Film findet sich der Hauptdarsteller meinst in einem emotionalen inneren Kampf zwischen seinem Pflichtgefühl (giri) und seinen persönlichen Ansichten und Gefühlen (ninjō) wieder.

Graveyard of Honor

Genre: Action
Bewertung: 7.5 / 10
Keyword: Drogen, Gewalt
Dauer: 94 min
Jahr: 1975
Regisseur: Kinji Fukasaku

In der Präfektur Ibaraki wächst Ishikawa ohne Mutter auf. Er war ein gutes, kluges Kind, hegte jedoch schon immer den Wunsch Yakuza zu werden. Da er vor Gewalt nicht zurück schreckte, wurde er der Anführer seiner Klasse und entscheidet sich ein Yakuza Mitglied von der Kawada-Familie in Shinjuku in Tokyo zu werden.Schon im jungen Alter macht er wegen Körperverletzung Bekanntschaft mit dem (Jugend-) Gefängnis, darf aber nach einem Jahr zurück in die Freiheit. Ishikawa steigt schnell durch seine gnadenlose Gewalt in der Hierarchie der japanischen Unterwelt auf. Andererseit bringt er sein eigenes Leben durch seinen Mangel an Respekt in Gefahr. Er wird später sogar Heroinabhängig und macht daraus ein neues Geschäft und doch seine Situation verschlimmert sich stetig.

Twisted Justice

Genre: Dramedy
Bewertung: 7 / 10
Keyword: Polizei, Spion, Skandal
Dauer: 135 min
Jahr: 2016
Regisseur: Kazuya Shiraishi

Moroboshi ist ein talentierter Judo-Kämpfer und wird 1975 Polizist in Hokkaido. Er hat einen starken Gerechtigkeitssinn und möchte gern die Welt nach seinen idealistischen Zielen verbessern. Aber er ist neu und schafft es nicht seine Fälle elegant zu lösen, daher bekommt er nur einen Bürojob. Eines Tages wird er von einem der Elite Senpais (Murai) zum Essen eingeladen. Dieser Senpai ist ein aufmerksamer Polizist und hat bis jetzt schon viele schwierige Fälle gelöst. Murai gibt ihm einen Tipp, dass er in die Unterwelt eintauchen und als Spion arbeiten soll. Also versucht er fortan gute Beziehungen mit den Yakuza aufbauen. Er wird allmählich sehr erfolgreich als Spionage-Polizist und steckt tief in der Yakuza-Welt drin.

Zunächst ist es lustig mit anzusehen, wie der junge Polizist böse Dinge tut, um das Vertrauen der Yakuza zu gewinnen, aber ab etwa der Mitte des Films, nachdem Moroboshi eine Grenze überschritten hat, kippt die Stimmung. Er kann dann nicht mehr zurück und die Situation wird immer schlimmer. Schafft es Moroboshi dennoch einen Weg zurück zu seinem Leben als guter Polizist zu finden?

Wives of the Yakuza

Genre: Drama
Bewertung: 7.5 / 10
Keyword: Frauen, Emanzipation
Dauer: 120 min
Jahr: 1986
Regisseur: Hideo Gosha

Tamakis Mann ist ein Yakuza und sitzt im Gefängnis. Tamaki ist eine sehr kluge Strategin, die an Stelle ihres Mannen die Clanführung übernimmt. Sie ist auf Grund ihrer Talente sehr erfolgreich in dem Job und schafft es 500 Yakuzas zu leiten. Nach dem Tod eines großen Yakuza-Chefs entstehen interne Kämpfe um vorherrschaft und Tamaki findet sich zwischen den Fronten der 2 Yakuza-Gruppen wieder.

Wer bei Yakuza-Filmen nur an brutale Männer denkt, hat sich hier getäuscht. Der Film “Wives of the Yakuza” hat insgesamt 10 Teile und zeigt das harte Leben der Yakuza-Frauen. In dem Film sieht man sehr emanzipierte Frauen, die am Rücken Irezumi und eine Pistole in der Hand tragen. Bis zur Veröffentlichung dieses Films waren die meisten Fans von Yakuza-Filmen Männer gewesen, doch dieser Film hat das Image des Genres total verändert. Er spiegelt in gewisser Weise die Emanzipationsbewegung der Frauen in japanischen Gesellschaft der 80er Jahre wider. Wenn sich eine Frau benimmt wie ein Mann, dann wird sie akzeptiert und man begegnet ihr auf Augenhöhe. Naja und wenn nicht, dann nicht.

Ryuzo and the Seven Henchmen

Genre: Comedy
Bewertung: 7 / 10
Keyword: Rentner, Betrug
Dauer: 125 min
Jahr: 2015
Regisseur: Takeshi Kitano

Der alte Mann Ryūzō (70) ist ein Rentner und wohnt mit seinem Sohn und dessen Familie in einem kleinen Haus. Er versucht die ganze Zeit über nicht in seine alten Berufsgewohnheit zu verfallen. Sein Sohn ist Büroangestellter und schämt sich für den alten Beruf seines Vaters, denn er war ein Yakuza. Ryūzō ist total frustriert, weil er viele Sachen nicht mehr machen darf und sich völlig eingeengt fühlt. Im Gegensatz zu seinem jetzigen ruhigen Rentner Dasein, hatte er als junger Mann einen ganz anderes Image.

Man nannte ihn nur “Der Teufel”. Doch während sein Sohn und dessen Familie im Urlaub ist, fällt Ryūzō auf den Neffentrick herein. Jemand gibt sich als entfernter Verwandter aus und sagt, dass Ryūzōs Sohn in Schwierigkeiten steckt und viel Geld braucht, damit er nicht sterben muss. Sein Freund Masa merkt aber, dass es ein Betrug ist und Ryūzō entscheidet mit 7 von seinen alten Freunden gegen die jungen, bösen Yakuza zu kämpfen. Dieser Film ist durch seine lockere, lustige Darstellung mit verhältnismäßig wenigen Gewaltszenen sehr untypisch für den Regisseur (Kitano). Dieser ist eigentlich eher für seine brutalen Filmszenen voller spritzendem Blut bekannt, doch dieser Film stellt eine erfrischende Ausnahme dar.

Brother

Genre: Action
Bewertung: 8.5 / 10
Keyword: LA, Gewalt, Entertainment
Dauer: 114 min
Jahr: 2000
Regisseur: Takeshi Kitano

Yamato ist ein blutiger, sehr draufgängerischer Yakuza, der seinen Anführer tötet. Um einen Krieg zwischen den verschiedenen Klans zu vermeiden, muss sein Klan von einem anderen Klan übernommen werden. Yamato hatte in der Vergangenheit schon mehrere Auseinandersetzungen mit diesem anderen Klan, sodass sie beschließen, dass er um die Ecke gebracht werden soll. Der Auftragskiller, der daraufhin angeheuert wird, verhilft Yamato jedoch zur Flucht in die USA. Dort will er bei seinem jüngeren Bruder Ken unterkommen, der in LA studiert.

Yamato spricht kaum Englisch und macht sich auf die Suche nach seinem Bruder. Währenddessen trifft Yamato den Afro-Amerikaner Denny, der in Zukunft mit Yamato zusammenarbeiten wird. Ken ist jedoch keine Student (wie Yamato dachte), sondern in LA  Gangster geworden und verkauft Drogen auf der Straßen. Yamamoto hilft seinem Bruder beim Drogendeal und schafft die Probleme auf seine japanische Weise aus dem Weg. Er gründet sogar seine eigene kriminelle Organisation, die immer mächtiger wird und schafft es den anderen japanischen Yakuza Klan in LA zu übernehmen. Doch bald entsteht ein Konflikt mit der italienischen Mafia und das Gemetzel bricht los.

Engel der Verlorenen

Genre: Drama
Bewertung: 8.5 / 10
Keyword: Leben & Sterben
Dauer: 98 min
Jahr: 1948
Regisseur: Akira Kurosawa

Der arme Doktor Sanada hat seine Praxis in einem der schäbigsten Stadtteile, in dem auch viel Kriminalität herrscht. Eines Nachts empfängt er einen Notfallpatienten mit einer Schussverletzung. Der Mann heißt Matsunaga und ist ein Yakuza, der die Gegend kontrolliert. Durch die Behandlung entdeckt Sanada, dass Matsunaga nicht nur angeschossen wurde, sondern außerdem an Tuberkulose leidet.

Während sich Sanada um die Gesundheit seines neuen Patient sorgt, versucht der junge Yakuza sein verrücktes Leben mit viel Alkohol, Gewalt und Frauen weiter zu leben. Matsunaga weiß, dass die Krankheit an seiner Kondition zehrt und dass er immer schwächer wird. Doch anstatt sich behandeln zu lassen, verbringt er lieber Zeit mit den anderen Yakuza. Jedoch entwickelt sich die merkwürdige Beziehung zwischen Gangster und Arzt langsam weiter.Der Film verdeutlicht aber auch die Wirren der japanischen Gesellschaft und des Gangstertum, sowie den Mentalität des Wiederaufbaus im Nachkriegsjapan. 

Wollt ihr noch mehr über japanische Filme lesen und mehr Vorschläge haben? Dann schaut doch in unserem Beitrag vorbei.

Published: 11.06.2020 | Posted by: Yuya

2 Kommentare

  1. Vielen dank für diese interessante Liste Yuya san.
    Man sieht hier natürlich sofort wie präsent Takeshi Kitano in der japanischen Film-Welt ist und dies schon seit Jahrzehnten. Dennoch war es Akira Kurosawa der im Film „Engel der Verlorenen“ Regie geführt hat. 😉
    Ich freue mich deine Empfehlungen (neu) zu entdecken.
    Lieben Gruß
    Hicham

    1. Hallo Hicham, danke für den netten Kommentar und den guten Hinweis! Takeshi Kitano’s Vater wurde tatsächlich von einem Yakuza getötet, sodass das Thema natürlich für ihn auch einen sehr privaten Bezug hat. Möglicherweise hat er sich deshalb so darauf spezialisiert…

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