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Minimalismus – Zen-Philosophie & Wabi-Sabi

zen-garten in japan

Heutzutage ist Japan eher als Land bekannt, in dem der Konsum regiert. In den Supermärkten, Conbinis, Boutiquen und in den Straßen der größeren Städte wird man tagtäglich mit grellen Werbeplakaten, Leuchtreklame und Slogans bombardiert. Dazu kommen die Limited-Edition Aktionen, die regelmäßig tausende Käufer anlocken. Diese Werbung sagt dir: Je mehr du konsumierst, desto glücklicher wirst du!

Doch ist das wirklich so? Macht Konsum glücklich? Diese Frage beschäftigt viele Menschen, denn neben dem ganzen Kommerz und Konsum, gibt es in Japan auch verschiedene Konzepte, die sich genau um das Gegenteil – den Minimalismus – drehen. Dieser ist bei weitem nicht neu, sondern es gibt ihn schon seit Jahrhunderten in Japan. Die Schlüsselelemente des traditionellen Minimalismus sind sowohl der Zen-Buddhismus, als auch der Tee-Weg und das Wabi-Sabi Konzept (und nein, das hat nichts mit Wasabi zu tun ;)).

Zen – Konzentration auf das Sein

tee-garten budda

Den Buddhismus gibt es etwa seit dem 6. Jhdt in Japan und war ein chinesischer Import. Seit der Zeit koexistiert er mit der ursprünglichen Naturreligion – dem Shintoismus – mehr oder weniger friedlich. In den darauf folgenden Jahrhunderten bildeten sich immer wieder neue buddhistische Schulen bzw. Sekten aus. Diese folgen jeweils einem etwas anderen Ansatz, werden aber alle dem Buddhismus zugeordnet. Eine der Glaubensrichtungen ist der Zen-Buddhismus, der vielleicht bekannteste von allen japanischen Schulen. Er kam im 12. Jhdt in Japan an und wurde von dem Mönch Eisai ebenfalls aus China importiert.

Die Wortbedeutung von Zen ist der “Zustand meditativer Versenkung”. Bei der Sitzmeditation (Zazen) geht es im Kern um das pure Sein. Dabei soll man das eigene Ego loslassen und durch das Nichts-Denken lernen, die Umgebung genauer wahrzunehmen. Das Leben als Zen-Mönch beinhaltet auch “Chisoku”, das Wissen, dass man nicht alles hat, aber Zufrieden zu sein mit dem was man hat. Dieser Kerngedanke steckt auch im modernen Minimalismus. Durch die bewusste Reduktion von (unnötigen) Gegenständen bzw. Dekoration soll eben diese innere Zufriedenheit erreicht werden.

Der Zen-Garten

Der Teil des Zen-Buddhismus, der außerhalb Japans wohl am bekanntesten ist, ist der Zen-Garten oder auch Trockengarten bzw. “Karesansui” genannt. Die Element aus denen die meisten dieser Gärten besteht sind kleine und mittelgroße Felsbrocken, Moos und geharkter Kies oder Sand. Die Felsbrocken sollen dabei so natürlich wie möglich angeordnet werden, als hätte die Natur den Ort und die Art bestimmt, wie die Felsen liegen. Um die Felsformationen herum befindet sich stets ein Ring aus grünem Moos. Zwischen den Moos-Inseln ist dann der Kies oder Sand, der von den Mönchen mit höchster Konzentration in Linien, Wellenmustern oder geometrische Formen geharkt wird. Der Gedanke hinter der Imitation von Gewässern durch Kies oder Sand ist, dass es dem Betrachter mehr Freiraum zur Interpretation bietet. Diese Perfektion in der Unperfektion nennt man in Japan auch Wabi-Sabi.

Wabi-Sabi – Japanische Ästhetik

tasse mit kintsugi

Im Unterschied zum westlichen Schönheitsideal, welches sich auf Geometrie und perfekte Symmetrie stützt, besagt dieses Konzept, dass gerade das Unperfekte und Natürliche besonders schön ist. Im Zentrum stehen Symbole für das schöne Altern von Gegenständen wie der moosbewachsene Felsen, Metallgegenstände mit einer Patina, die unregelmäßig geformte Teeschale. Auch das zerbrochenes Geschirr, welches durch die Kintsugi Methode repariert wurde ist Wabi-Sabi. Der Gedanke des Wabi-Sabi findet sich jedoch nicht nur in Objekten, sondern ist auch eine Denkweise, die sich in der Anerkennung von unperfekter Schönheit zeigt.

Tee – Gestaltung & Zeremonie

teezeremonie in japan

Der Tee und dessen sorgsame Zubereitung hat in Japan eine jahrhundertelange Tradition. Besonders die buddhistische Schule von Eisai hatte einen starken Einfluss auf die japanische Kultur und auch speziell auf die Teezeremonie. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Teezeremonie stark ritualisiert worden, sodass von der Gestaltung des Tee-Gartens und Tee-Raums bis hin zu den Bewegungen während der Teezubereitung, Alles ganz bestimmten Vorgaben folgt.

Der Tee-Garten

Der Tee-Garten dient der Vorbereitung des Geistes auf die eigentliche Teezeremonie. Die meisten Gärten sind nach dem Wabi-Sabi Konzept der unperfekten Schönheit, aber auch der Verborgenheit gestaltet worden. Im Unterschied zu einem Zen-Garten, der eher einen weiten Raum schaffen soll, ist der Tee-Garten meist klein und verwinkelt. Es werden Bäume und Büsche gepflanzt, die den Blick in andere Bereiche verbergen. Ein Element aus den Zen-Gärten findet man aber auch häufig in Tee-Gärten: das steinerne Wasser. Dafür wird das Bachbett oder der Teich mit Kieselsteinen gefüllt, sodass die Interpretationsmöglichkeit für den Betrachter noch vielfältiger sind.

Der Tee-Raum

Die Größe des Tee-Raums kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal ist er recht groß und manchmal sehr klein (nur 2 Tatami-Matten groß), aber er ist eigentlich immer karg ausgestattet. Die einzige Dekoration bildet hin und wieder ein Ikebana-Gesteck. Diese Tradition, dass Tee-Räume so schlicht und auch die Teeschalen im Wabi-Sabi Stil sind, geht auf die Mönche und Tee-Meister Shuko und Sen no Rikyu zurück. Sie gelten als die Väter des sogenannten Wabi-Cha und haben den schlichten Teeweg im 16. Jhdt maßgeblich geprägt. Die heutigen Teezeremonien und Alles was dazu gehört sind weitestgehend genauso und ebenso minimalistisch bzw. beschränkt auf das Nötigste wie vor fast 500 Jahren. Im Zentrum der Teephilosophie steht die Schlichtheit, Wabi-Sabi und die Konzentration auf das Sein und das Erleben.

teeraum in japan

Der heutige Minimalismus in Japan trägt deutlich die Spuren dieses Schönheitsempfindens und findet sich sowohl in Produkten, in Ritualen des Alltags und in den Inneneinrichtungen der Häuser wieder. Schlichtheit, Reduktion, Reinigung und Konzentration bilden die Eckpfeiler des traditionellen japanischen Minimalismus und sind auch in der Moderne noch Teil der Philosophie.

Posted by Miriam

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