Design & Art Lifestyle in Japan

Kimono – Traditionelle Kleidung & Fashion-Statement aus Japan

kimono im tempel

Kimono, die traditionelle Kleidung Japans sind inzwischen auch in Deutschland bekannt. Hierzulande gibt es in vielen populären Klamottenläden Kimono-Jacken zu sehen, die allerdings nur noch wenig mit dem ursprünglichen Produkt zu tun haben.Doch auch in Japan sieht man Kimonos immer seltener. Nichtsdestotrotz werden sie noch gerne an Feiertagen und zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten getragen. Aber was genau ist ein „richtiger“ Kimono, was für unterschiedliche Arten gibt es und wann wird welcher Kimono getragen?

Das Wort Kimono besteht aus zwei Schriftzeichen: 着 (ki = anziehen) und 物 (mono = Gegenstand). Übersetzt bedeutet “Kimono” also einfach Anziehsachen. Als während der Meiji-Periode (1867-1912) immer mehr Menschen begannen westliche Kleidung zu tragen, wurden zur Abgrenzung die Wörter 和服 (wafuku, “japanische Kleidung”) und 洋服 (yofuku, “westliche Kleidung”) eingeführt. Im heutigen Sprachgebrauch verwendet man aber auch im Japanischen mit dem Wort “Kimono” immer die traditionelle Kleidung gemeint und wird gleichberechtigt mit dem Wort “wafuku”.

japanische kimono

Wissenswertes über Kimonos

Was ist ein Kimono?

Ein Kimono ist eine T-förmige knöchellange Robe, die mit dem sogenannten Obi (-Gürtel) zusammengebunden wird. Je nach Anlass werden unterschiedliche Stile und Farben getragen. Der Schnitt eines Kimonos ist jedoch fast immer gleich, dementsprechend geben stattdessen die Farben, Muster und Accessoires Auskunft über die Situation und den sozialen Status der Trägerin.

Wann trägt man einen Kimono?

Es gibt bestimmte Berufsgruppen, die Kimonos tragen (z.B. Geishas) und einige ältere Japaner, vor allem Frauen, tragen auch im Alltag noch Kimonos. Ansonsten sieht man Kimonos nur noch zu besonderen Anlässen und Feiertagen wie Hochzeiten. Den informellen Kimono, den Yukata, kann man jedoch bei vielen Sommerfestivals sehen oder auch als Tourist ausleihen und damit durch die Straßen von Kyoto (und anderen Städten) laufen.

Tragen auch Männer Kimonos?

Es gibt auch für Männer Kimonos, allerdings sind diese oft schlichter und nicht so farbenfroh. Aktive Sumokämpfer müssen in der Öffentlichkeit immer einen Kimono tragen. Abgesehen davon gibt es natürlich auch für Männer Yukatas, aber zu feierlichen Anlässen tragen Japaner eher eine Hakama-Hose und Kimono-Jacke. 

Die Details der Herstellung

kimono textile

Vom Faden zum Stoff zum Kleidungsstück

Kimonos werden aus einer langen, gewebten Stoffbahn produziert, die für Frauen ungefähr 37 cm weit und 12 m lang ist. Die Kimono-Hersteller schneiden die Stoffbahn in sieben bis acht Teile, die in einer T-Form zusammengenäht werden und so den Kimono bilden. Da die einzelnen Teile auch rechteckig sind, bleibt nur ein kleiner Stoffrest übrig. Im Vergleich zu westlicher Kleidung wird also kaum Stoff verschwendet. Da beim Binden des Kimonos, dieser an die Größe und Figur der Trägerin angepasst wird, gibt es keine unterschiedlichen Konfektionsgrößen (wie S, M, L etc.) Viele der hochwertigen Kimono werden ohnehin maßgeschneidert, sodass der Kimono an die jeweiligen Bedürfnisse (Größe) angepasst wird. Kimonos stellt man aus diversen Materialien her. Günstigere Alltagskimonos wurden aus Wolle für den Winter und aus Leinen für den Sommer hergestellt. Hochwertigere Kimonos hingegen bestehen aus Seide.

Die Herstellung von Kimonos in 3 Schritten

Das Design von Kimonos unterscheidet man durch drei verschiedene Methoden: die Webmethode, durch Färbetechniken und durch die Stickerei.

Kinder im Kimono
Shichi-go-san – Zu diesem Feiertag werden die japanischen Kinder in bunte Kimonos gekleidet und man geht zusammen zum Shinto-Schrein.

Weben der Stoffe

Da Stoff für Kimonos gewebt ist, kann man dadurch bereits Muster einarbeiten. So können durch unterschiedliche Fadenläufe Streifen- oder Karomuster entstehen. Bei den sogenannten Ikat-Kimonos färbt man die Fäden und sie ergeben so beim Weben meist geometrische Muster.

Färbetechniken

Es gibt außerdem diverse Färbemethoden. Die Stoffbahnen färbt man dabei vor dem Zusammennähen. Den traditionellen, japanischen, blauen Färbestoff Indigo benutzt man auch für Kimonos. Gerade einfachere Kimonos, die von der Arbeiterklasse selbst hergestellt wurden, wurden oft mit dem leicht zugänglichen Indigo gefärbt.

Traditionellerweise wird in Japan Stoff ähnlich wie beim Batiken gefärbt. Das bedeutet, die Teile des Stoffes, die keine Farbe abbekommen sollen, deckt man ab oder bindet sie zusammen und den Rest des Stoffes färbt man. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Die wohl bekannteste ist das “Shibori”. Dabei wird der Stoff gefaltet, geknotet oder zu kleinen Kreisen gebunden und dann gefärbt. Eine andere Methode benutzt Stempel, mit denen eine Reispaste auf den Stoff aufgetragen wird. Dadurch kommt das Färbemittel nicht an diese Stellen. Die Reispaste kann nach dem Färben wieder abgewaschen werden. So eine Reispaste benutzt man auch, um sehr feine Muster auf den Stoff aufzutragen und dann innerhalb dieser Muster mit Pinseln das Färbemittel aufzutragen.

Stickereien

Eine weitere Methode, Kimonos zu verzieren, ist die Stickerei. Das geschieht oft erst nach dem Zusammennähen, sodass die Muster über die Nähte hinüberlaufen. Für solche Verzierungen benutzen die Kimono-Schneider unter anderem Silber- oder Goldfäden. Dadurch entstehen dreidimensionale Muster, die dem Kimono eine gewisse Tiefe geben. Da Stickerei meist Handarbeit ist, ist die Mustergestaltung sehr frei, doch die Kimonos sind aber auch entsprechend teurer und hochwertiger.

Das richtige Design zum richtigen Anlass

Traditionelle, japanische Hochzeit im Kimono

Tomesode – schlicht & klassisch

Der Tomesode genannte formelle Kimono für verheiratete Frauen ist  nur unterhalb der Taille gemustert. Schwarze Tomdesode (Kurotomesode) haben oft bis zu fünf Familienwappen und gehören zu den formellsten Kimonos. Sie werden zum Beispiel von der Mutter der Braut, bzw. des Bräutigams bei Hochzeiten getragen.

Homongi – bunt gemustert

Dies ist ein halb-formeller Kimono mit farbigen Mustern auf dem gesamten Kleidungsstück. Die Muster trägt bzw. näht man oft nach dem Zusammennähen auf. Dadurch laufen sie über Schultern, Nähte und die Ärmel.

Tsukesage – schlichte Muster

Der Tsukesage ist ein informeller Kimono bzw. ein vereinfachter Homongi. Die Muster sind im Gegensatz zum Homongi etwas zurückhaltender und werden vor dem Zusammennähen aufgetragen, wodurch sie nicht über die Nähte laufen.

Furisode – bunt & peppig

Formeller Kimono für unverheiratete Frauen. Sehr dekorative, gemusterte Kimonos mit Ärmeln, die länger als 1 m sind. Wird heutzutage vor allem beim Feiertag zur Volljährigkeit (Seijin no Hi) getragen.

kimono für seijinshiki
Am japanischen Volljährigkeitstag putzen sich die jungen Frauen heraus und ziehen ihre schönsten Kimonos an.

Iromuji – dezent & schlicht

Einfarbiger Kimono, dessen Formalität von der Stoffart und von den Accessoires abhängt. Durch das schlichte Aussehen wird er oft zu Teezeremonien getragen, um den Geist nicht vom Wesentlichen abzulenken.

Komon – fein & elegant

Informeller Kimono mit feinem Muster über das gesamte Kleidungsstück. Das Muster besteht oft aus Blumen, Pflanzen oder geometrischen Formen und wird mit Papierschablonen auf den Stoff aufgetragen.

Yukata – luftig & frische Farben

Legerer Sommerkimono, meist aus Baumwolle, mit Siebdruck bemustert. Ursprünglich ungefüttertes Kleidungsstück, das nach dem Baden getragen wurde, heute vor allem bei Sommerfestivals.

Weitere spezielle Kimonos

Es gibt noch sehr viel mehr spezielle Kimonos, die vor allem von bestimmten Berufsgruppen getragen werden. Dazu gehören Priester, Schiedsrichter von Sumo-Wettkämpfen, auch Geishas oder Personen, welche sich in der Kunst des Blumensteckens (Ikebana) oder der Teezeremonie üben.

Geschichte des Kimono

geisha ließt etwas

 Kimonos haben sich aus der Kleidung der Heian-Periode (794-1185) entwickelt. Damals waren sie eher Jacken, die man zusammen mit dem Hosenrock Hakama trug. Im Laufe der Zeit wurde der Hakama weggelassen und die Jacke ist länger geworden. Ohne den Hakama brauchte man jedoch etwas, um den Kimono zu binden und so kam der Obi als Gürtel in Mode. Bei Männerkimonos ist der Obi nachwievor nur ein verstärktes Band. Erst mit der Zeit hat sich der Obi für Frauen zu dem breiten, schärpe-artigen Gürtel entwickelt, der er heute ist.

Die Blütezeit des Kimonos und seiner Produktion war während der Edo-Periode (1603-1868). Damals haben alle Bevölkerungsschichten den Kimono als Alltagskleidung getragen und es gab in fast jedem Dorf eine Färberei für Kimonos. In Kyoto, wo sich während der Edo-Zeit den Hauptsitz des Kaiserhofes befand, haben sich die meisten Künstler und Kunsthandwerker gesammelt, welche die hochwertigen Seidenkimonos für Adelige gefertigt haben.

Wie trägt man einen Kimono?

kimono frauen

Das Kernstück des Kimono ist die Robe. Zum gesamten Outfit und zum Binden des Kimonos gehört aber noch diverse Accessoires. Es gibt extra Unterkleider, entweder als Ganzes oder zweiteilig mit Wickelrock und Oberteil, die man unter einem Kimono trägt. Diese haben oft einen weißen Kragen (Haneri), der mit einem Pappstück (Erishin) verstärkt ist, damit er seine schöne Form behält. Der Kragen schaut unter dem Kimono hervor. Bei formellen Kimonos wie dem Furisode werden manchmal mehrere und dann auch farbige Kragen benutzt.

Der Kimono wird mit verschiedenen Bändern gehalten: den Himo (dünn, schmal) und Datejime (in der Mitte verstärkt, breit). Mit diesen passt man auch die Länge des Kimonos an die Körpergröße der Trägerin an. Sowohl das Unterkleid, als auch der Kimono wickelt man, wobei immer die linke Seite über der rechten liegt. Die einzige Ausnahme davon ist das Totenkleid Verstorbener, bei denen man die rechte über die linke Seite bindet.

Obi & andere Accessoires

Schuhe für Kimono, Zori Sandalen
Kimono Accessoires: Zori-Sandalen

Zum Schluss wird der Obi, der breite Stoffgürtel gebunden. Um ihn zu formen und binden, gibt es verschiedenste Hilfsmittel. Einige von diesen sieht man und somit haben sie nicht nur einen praktischen, sondern auch dekorativen Nutzen. Dazu gehört zum Beispiel das Band Obijime, das vorne am Bauch geknotet wird. Durch Farbe und Muster des Obi kann sich die Formalität und das Wirken eines Kimonos grundsätzlich ändern.

Zum Kimono werden meist Tabi (Zehensocken) getragen. Traditionell sind diese weiß, heutzutage gibt es sie aber auch farbig und mit Mustern. Das traditionelle Schuhwerk sind die Zehensandalen Zori. Zu den Yukatas, den informellen Sommerkimonos werden keine Tabi und Zori getragen. Stattdessen trägt man barfuß die Holzsandalen Geta. Diese wurden früher auch bei Regen zum normalen Kimono getragen, heute gibt es extra Regenüberzieher für die Zori.

Aufgrund dieser aufwändigen, vielschrittigen Bindung können sich heute die wenigsten Japanerinnen noch selbst einen Kimono anziehen. Deswegen gibt es speziell für diesen Zweck, Schulen oder auch Dienstleistungsfirmen, die das für einen übernehmen.

Pflege und Reinigung

Gerade Kimonos aus Seide sind sehr aufwändig zu reinigen. Meist werden Kimonos nach dem Tragen nur ausgehangen und selten wirklich gewaschen. Zum Waschen werden die Nähte des Kimonos aufgetrennt und die Stoffstücke dann einzeln gewaschen. Danach wird er wieder zusammengenäht. Deswegen ist eine Reinigung sehr teuer und kann nur von Fachkräften durchgeführt werden. Einfachere Kimonos aus Wolle, Baumwolle oder aus neuen Materialien wie Polyester sind hingegen deutlich einfacher und günstiger zu reinigen.

Published: 28.11.2020 | Posted by Selene

2 Kommentare

  1. Hallo,
    interessanter Artikel, ich habe mir als ich in Kyoto war einen Haimo gekauft, Kimono war zu teuer, was wegen meiner Größe und Leibesumfang, und den Verständigungsproblemen ( die ältere Dame im Laden konnte kein Englisch) gar nicht so einfach war.
    Insgesamt war es das aber trotzdem Wert, bei der nächsten Japanreise wirds vielleicht doch ein Kimono, oder zumindest ein kompletter Hakama

    1. Hallo Mike,
      Es freut mich, dass dir unser Artikel gut gefallen hat und ich kann mir gut vorstellen, dass die Kommunikation in Japan manchmal durchaus ein Hindernis darstellt. Ich hoffe, dass es bei deiner nächsten Japanreise klappt und du einen schönen Kimono oder schöne Hagana für dich findest 🙂

      LG

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