Lifestyle in Japan

Japanischer Reisgott – Inari mit den weißen Füchsen

fushimi inari schrein

Die ursprüngliche Religion Japans war der Shintoismus, eine polytheistische Naturreligion. Die mehreren Millionen Gottheiten des Shinto-Glaubens sind im Gegensatz zum christlichen Gott weder allmächtig, noch allwissend, sondern eigentlich sehr menschlich, ähnlich wie bei den griechischen Göttern. Die japanischen Gottheiten leben in der Natur (in großen Bäumen, Bergen, Flüssen, Seen und Meeren). Natürlich haben sie bestimmte Kräfte, die mehr oder weniger stark sind. Außerdem können sie Heil oder Verdammnis über die Menschen bringen, doch nur innerhalb ihres eigenen Aufgabenbereichs. Eine der bekanntesten Gottheiten ist Inari (japanische Reisgott), dessen Schreine stets lange Reihen roter Torii und Statuen von Füchsen zieren, wie der Fushimi-Inari-Taisha in Kyoto. Um eben diese Gottheit soll es in diesem Artikel gehen.

fuchs in jinja
Wie heißt der japanische Reisgott?

Die japanische Reisgottheit heißt im Volksmund Inari (稲荷) bzw. O-Inari-sama, doch der eigentliche Göttername lautet: Uka-no-mitama-no-ookami (宇迦之御魂大神). Diese Gottheit ist der/die Beschützer/in der Reisernte und zuständig für das Thema Fruchtbarkeit. Je nach Darstellung erscheint Inari als junge Frau oder als alter Mann mit einem Reissack über der Schulter dargestellt.

Was bedeutet Inari (稲荷)?

Zum Wortursprung von “Inari”, dem Reisgott, gibt es einige Theorien. Doch die Bekannteste ist wohl die, dass sich “Ina” von dem japanischen Wort für Reispflanze (ine) ableitet und das “ri” soviel wie Last oder “über der Schulter tragen” heißt. Also zusammengefasst ist Inari die Gottheit, welche die Last der Reisernte auf ihren Schultern trägt.

Warum hat der Inari-Schrein oft Fuchs Statuen?

Viele Japaner glauben, dass der Fuchs der Bote des Reisgottes (Inari) ist. Früher haben die Leute Füchse als göttliche Tiere verehrt. Da die Füchse nur im Sommerhalbjahr von den Bergen auf die Felder herunter kamen, dachte man, dass sie die Reisernte beschützen würden. Eine Theorie besagt, dass es in Japan lange keine Katzen gab und daher hauptsächlich die Füchse den Mäuse- und Rattenbestand (welche die Reiskörner weggefressen haben) auf den japanischen Inseln eingedämmt haben. Daher liegt es Nahe, dass Füchse den Bauern heilig waren und mit Inari (japanische Reisgott) in Verbindung gebracht wurden.

Japanische Mythologie

Susanoo & Inada-hime – Utagawa Kuniteru – ukiyo-e.org

Die japanische Geschichte vor dem Mittelalter beruht zu einem großen Teil auf dem Geschichtswerk “Kojiki”, welches in der Nara-Zeit verfasst wurde. In dieser Trilogie wird die Entstehung Japans, die Entstehung der Götter und die göttliche Abstammung der Kaiserfamilie beschrieben. In gewisser Weise erinnern einen die Geschichten an eine Mischung aus der Entstehungsgeschichte aus der Bibel mit der griechischen Götter-Mythologie:

Am Anfang gab es einige wenige Götter, darunter den Gott Izanagi und die Göttin Izanami. Sie waren ein Ehepaar und haben mit Izanagi’s Speer (Amane-no-nuboko) 8 der japanischen Inseln erschaffen. Die erste Insel war Awajishima, dann entstand Shikoku, danach folgten die südliche Hauptinsel (Kyushu), die nördliche Hauptinsel (Honshu) und noch 4 kleinere Inseln, die heute zu Kyushu gehören. Während der Nara-Zeit gehörten weder Hokkaido, noch Okinawa zu Japan und tauchen daher auch nicht in der Geschichte auf. Nachdem die beiden Urgötter die Inseln gezeugt hatten, hat Izanami 35 Götter (einen Berggott, einen Meeresgott, einen Feuergott, etc.) zur Welt gebracht.

Izanami starb bei der Geburt ihres jüngsten Kindes (dem Feuergott) und ging in die Unterwelt (Yomi). Izanagi, von Kummer und Schmerz über den Tod seiner Frau zerfressen, folgte ihr in die Unterwelt, um sie zurückzuholen. Doch sie war zum Monster geworden und versuchte ihren ehemaligen Ehemann zu töten. Izanagi entkam aus der Unterwelt und ging zurück auf die Erde. Doch durch seine Reise in die Unterwelt war er verunreinigt worden und musste sich erst einmal reinigen, bevor er wieder zum Himmel aufsteigen konnte. 

Bei dieser spirituellen Reinigung wurden 3 neue Götter geboren: Amaterasu (die Sonnengöttin), der Mondgott und schließlich Susanoo (Gott des Chaos und der Zerstörung). Susanoo wird gelegentlich auch als der Gott des Ackerbaus beschrieben. Diese Götter hatten wiederum viele, viele Kinder (die meisten davon jedoch ziemlich unbedeutend). Zusammen mit Ooichi-hime bekam Susanoo dann jedoch ein Kind, das der japanische Reisgott und Gott der Fruchtbarkeit (Inari) wurde, welcher heute in ganz Japan verehrt wird.

Inari-Schreine und Torii

kinkou inari schrein
Kinkou Inari in Hiroshima

Da der Inari-Kult in Japan sehr weit verbreitet ist, ist es kaum verwunderlich, dass von den ca. 80.000 Schreinen Japans etwa 30.000 der Gottheit Inari gewidmet sind. Die meisten Inari Schreine sind sehr leicht zu erkennen, denn sie haben sogenannte Torii (Gottestore), welche in langen Reihen zum Heiligtum des Schreins führen. Sie bilden dabei die langen orange-roten Tunnel, die man häufig in japanischen Touristen-Werbevideos sieht. Der Tunnel soll einen Übergang von der profanen Welt in den sakralen Teil der Schreinanlage markieren. Die Torii bestehen meistens aus Holz oder Stein und sind mit der typischen zinnoberroten Lackfarbe (Shu-iro) gestrichen. Man glaubt außerdem, dass diese Farbe einen Schutz gegen magische Kräfte und Dämonen darstellt. Meist sieht man darauf auch japanische Schriftzeichen in schwarzer Farbe auf den Pfeilern der Torii. Diese sind die Namen der Personen oder auch Firmen, welche das jeweilige Torii gespendet haben.

31/2 bekannteste japanische Reisgott-Schreine in Japan

In Japan gibt es – wie schon mehrfach erwähnt – eine Vielzahl an Inari-Schreinen, die sich in ihrem Aufbau und den Kernmerkmalen (z. B. den Fuchs-Statuen) stark ähneln, doch es gibt einige besonders große und bekannte Inari-Schreine in Japan, die wir hier kurz vorstellen wollen.

Fushimi-Inari in Kyoto

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Der größte Inari-Schrein in Kyoto

Der wohl bekannteste Inari-Schrein in ganz Japan ist wohl der große Fushimi-Inari-Taisha in Kyoto. Er liegt nur wenige Minuten zu Fuß von der Bahnhaltestelle “Inari-eki” entfernt und der Eintritt ist komplett frei. Besonders zu den Haupttouristenzeiten zu Neujahr und am 8. April (Sangyo-sai = Fest um für gute Wirtschaft zu beten) ist der Schrein jedoch heillos überfüllt mit Besuchern, sodass man weder ein gutes Foto bekommt (weil ständig jemand ins Bild läuft), noch sich in Ruhe den Schrein ansehen kann. Daher sollte man entweder außerhalb der Touristensaison kommen, oder aber zu einer Uhrzeit, an der nicht so viele Menschen unterwegs sind (vielleicht morgens um 5 Uhr oder spät abends). Es gibt zwar offizielle Öffnungszeiten, aber so wirklich geschlossen ist der Schrein nie, sodass man theoretisch auch mitten in der Nacht den Torii-gezierten Weg hinauf zur Spitze des Inari-yama erklimmen kann.

Otome-Inari in Tokyo

Otome Inari Schrein
Otome-Inari Schrein aka. Nezu-Jinja in Tokyo

In dem nördlichen Teil des tokioter Bezirks Bunkyo liegt der Otome-Inari-Jinja, welcher Teil des großen Nezu-Schreins ist. Dort wird nicht nur der japanische Reisgott Inari, sondern gleich einer ganzen Reihe an Shinto-Gottheiten – unter anderem auch Susanoo – angebetet. Besonders schön ist der Schrein zwischen Mitte bis Ende April, wenn die über 3000 Azaleenbüsche in voller Blüte stehen oder zur Zeit der Pflaumenblüte. Aber auch zu anderen Zeiten des Jahres lohnt sich ein Besuch, um die schönen Gartenanlagen und den Karpfenteich zu sehen.

Yūtoku-Inari in Saga

Yūtoku-Inari in Saga
Der größte Inari-Schrein in Kyushu

Der Yutoku-Inari-Schrein im Süden der Präfektur Saga (Kyushu) gehört ebenfalls zu den größten Inari Schreinen des Landes. Er liegt an einer steilen Talwand in der Nähe von Kashima City. Ähnlich wie der Kiyomizu-Dera-Tempel in Kyoto wird der Schrein durch mehrere, lange Pfähle gestützt, sodass der Schrein ca. 18m über der Talsohle schwebt. Von der Terrasse der Haupthalle aus führt ein Wanderpfad durch die typischen Torii den Berg hinauf, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Ariake-Meer hat.

Toyokawa-Inari in Aichi – der Schrein, der eigentlich ein Tempel ist

Toyokawa-Inari in Aichi
Füchse-Paradies im Toyokawa Inari-Tempel

Häufig wird der Toyokawa-Inari-Tempel als einer der großen Inari-Schreine genannt, doch so ganz korrekt ist das nicht, denn eigentlich handelt es sich hier nicht um einen shintoistischen Schrein. Außerdem lautet der eigentliche Name des buddhistischen Tempels Myogon-ji. Da jedoch während der Meiji-Zeit viele Tempel aufgrund der Landespolitik abgerissen wurden, hat man viele Tempel als Schreine getarnt und so ist eventuell auch die Verwirrung über diesen Tempel zu Stande gekommen. Eine andere Theorie ist, dass die in der Buddhistischen Ikonografie auf Füchsen reitende Juichimen-Kannon, der shintoistischen Gottheit Inari zu ähnlich ist und es daher zu Verwechslungen kam. Den Eingang des 1441 gegründeten Tempels ziert jedenfalls auch heute noch ein rotes Eingangs-Torii. 

Für was betet man im Inari-Schrein?

Da sich seit dem Ende der Edo-Zeit (1868) die Anzahl an Reisbauern von ca. 90% der Bevölkerung auf unter 10% verschoben hat, mag man sich wundern, warum die japanische Reisgott-Schreine trotzdem so gut besucht sind. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass Inari nicht nur für eine gute Reisernte, sondern auch für wirtschaftlichen Erfolg angebetet wird. (Daher spenden so viele Unternehmen übrigens auch Torii als Opfergabe für die Inari-Schreine). Des Weiteren erstreckt sich Inaris Wirkungsbereich auch auf die Fruchtbarkeit im Allgemeinen, sodass Frauen bzw. Paare, die sich Nachwuchs wünschen oder ältere Leute, die sich Enkelkinder wünschen, zum Schrein kommen, um dafür zu beten. 

Published: 13.07.2020 | Posted by Yuya

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