Japanisches Kunsthandwerk

Japanpapier / Washi – Geschichte & Herstellung

washi suki methode

Wir benutzen täglich viele verschiedene Papierprodukte zum Beispiel Geldscheine, Magazine, Post-its oder Zeitungen. Weltweit werden jährlich über 3 mio. Tonnen Papier hergestellt und verarbeitet. Da es sich meist um Wegwerf-Produkte handelt und meist auch noch Bleichmittel oder umweltschädliche Farben verwendet werden, kann man sich leicht vorstellen, wie schädlich dies für die Natur ist. Doch in Japan hat man schon vor Jahrhundert eine umweltschonende Methode entwickelt: langlebiges Washi. Hierbei steht und stand schon immer der Gedanke „Langlebigkeit, statt Einwegartikeln“ klar im Vordergrund. Washi ist handgeschöpftes Papier aus Japan, welches trotz besonderer Dünne, sehr reißfest und dauerhaft ist. 

Tradition des Japanpapiers

Japanpapier
Washi Papier

Die Herstellungsmethode von Papier haben die Japaner vor 1400 Jahren zunächst aus China übernommen. Im 8. Jahrhundert wurde dann in Japan Washi-zuki als eigene Methode des Papierschöpfens entwickelt. Sie verbreitete sich von der damaligen Hauptstadt Kyōto aus nach und nach in ganz Japan. Auch die Qualität des Wassers in Japan, ist von entscheidender Bedeutung für die Herstellung von gutem Japanpapier. Washi wird oft für Shoji (klassische Papiertüren), Vorhänge, Lampenschirme, Kalligraphie oder Tuschemalerei verwendet und ist deshalb überall in Japan zusehen.

Washi Papier für Kunst

Auch in Europa wurde Washi schon früh hochgeschätzt. Im 17. Jahrhundert benutzte unter Anderem der bekannte holländische Maler, Rembrandt van Rijn Washi zum Skizzieren. Auch der erste britische Botschafter in Japan war von den Washi-Produkten begeistert und sammelte sie leidenschaftlich gerne. Er präsentierte sie dann sogar in der Weltausstellung in London (1851). Die Gründe für das große Interesse von Europäern an Japanpapier waren die Widerstandsfähigkeit und die (angeblich) über 1000-jährige Haltbarkeit. Die Fasern von Washi-Papier sind länger als bei Druckpapier, was ihm trotz seiner dünnen Beschaffenheit, Haltbarkeit verleiht und seine Langlebigkeit gewährleistet. Maschinell-geschöpftes Druckpapier, welches mit den heutzutage gängigen Methoden hergestellt wurde, hat nur eine maximale Lebenszeit von etwa 100 Jahren. Es gibt noch einige alte Aufzeichnungen auf Washi, die im 8. Jahrhundert verfasst wurden und noch in gutem Zustand sind.

Bekannte Washi-Städte

akari lampe - isamu noguchi - washi

Mino Washi aus Gifu

Washi aus Mino ist die bekannteste Art von japanischem Papier. Es wird in der Stadt Mino in der Präfektur Gifu hergestellt. Mino Washi ist seit langem bekannt für seine Ausgeglichenheit zwischen Dünne, Stärke und Schönheit. Raffinierte und hochqualifizierte Handwerkstechniken holen das Beste aus den Rohstoffen heraus. Während der Edo-Zeit war Mino Washi als die beste Art von Washi-Papier bekannt. Das Tokugawa-Shogunat, die feudale Militärregierung in dieser Zeit, verwendete sogar standardmäßig. Da die Qualität des Papiers stark von der Wasserqualität abhängt, unterscheidet sich die Papierstruktur zwischen den Produktionsregionen geringfügig. Neben Terao sind Iwasa, Taniguchi und Makidani in der Präfektur Gifu für ihr hochwertiges Mino Washi bekannt.

Das robuste Mino Washi-Papier wird mit einer traditionellen Technik namens Nagashizuki hergestellt. Man taucht eine Holzkiste namens Sukifune in einen Wassertank und bringt das Washi-Papier auf eine gleichmäßige Dicke, während man es hin und her schaukelt. Dieses Verfahren verflechtet die Fasern von Mino Washi-Papier auf komplexe Weise und verleiht dem Papier sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung Reißfestigkeit. Etwa zehn Prozent aller Mino-Washi-Papiere sind Premium-Hon-Minoshi-Papiere. 1969 wurde es als nationales immaterielles Kulturerbe Japans ausgewiesen und 2014 auch von der UNESCO registriert. Diese Techniken haben als traditionelles Handwerk weltweite Anerkennung gefunden hat.

Echizen Washi aus Fukui

Der Legende nach hat vor etwa 1.500 Jahren eine mysteriösse Frau den Menschen in der Gegend von Echizen beigebracht, wie man Papier aus speziellen Pflanzen für Washi namens Kozo herstellt. Ihr Beweggrund war wohl Mitleid, da die Leute in der Region keine Reisfelder hatten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie verschwand auf magische Weise im oberen Fluss und wurde daraufhin „Kawa-kami Gozen“ genannt. Das bedeutet auf Japanisch „obere Fluss Prinzessin“. Seitdem wird sie als Papiergöttin im Okamoto Otaki-Schrein verehrt. 

Tosa Washi aus Kochi

Das Geheimnis hinter der weltweit anerkannten Qualität von Tosa-Washi liegt in einer Kombination aus traditionellen Techniken und Kochis reichen natürlichen Ressourcen. Der Schlüssel zur Herstellung von qualitativ hochwertigem Washi liegt in seinen Hauptzutaten: Wasser und Kozo (Maulbeerbaum). Der Niyodo-Fluss, der angeblich das beste Wasser auf der Insel Shikoku hat, fließt genau durch die Mitte von Kochi – und seit der Antike sind an diesem klaren Bach hochwertige Washi-Bestandteile wie Kozo und Mitsumata (orientalischer Papierstrauch) gewachsen.

Obwohl nicht bekannt ist, wie und wann die Papierherstellung nach Tosa kam, weiß man, dass man dort mindestens seit 1.000 Jahren hergestellt wird. Im Engishiki, einer Aufzeichnung der Gesetze und Bräuche aus der Heian-Zeit (794-1185) steht geschrieben, dass die Steuern in der Provinz Tosa (jetzt Präfektur Kochi) mit Papier erhoben wurden. Dies deutet darauf hin, dass man schon damals Washi produziert hat. Als die Qualität des Papiers aus dieser Region erkannt wurde, wuchs die Zahl der Handwerker rapide. Mitte der Meiji-Zeit (1868-1912) hat sich die Region zum wichtigsten Washi-Produzenten in Japan entwickelt.

Tosa Washi ist hoch geschätzt für seine dünne und dennoch langlebige Natur, die dazu geführt hat, dass es heute als Kagero-no-Hane oder Libellenflügel bekannt ist. Es ist das dünnste handgefertigte Papier der Welt. Die Handwerker realisierten diese Eigenschaften durch ihre bewährten Techniken, welche die langen, dicken Fasern des Kozo so geschickt miteinander verflechtet. 

Herstellung des Japanpapiers

Der genaue Herstellungsprozess von Washi ist zeitintensiv und komplex, daher beschränken wir uns hier darauf nur einen groben Überblick über den Ablauf zu geben. Der Prozess kann in 3 Teile eingeteilt werde: die Ernte von Kozo, die Herstellung von Kamiso und das Schöpfen.

Kozo (Maulbeerbaum) ernten und trocknen

kozo im kessel kochen

Der Stoff zur Papierherstellung ist der Papier-Maulbeerbaum. Er heißt auf Japan Kozo. Man erntet die Pflanze im November. Danach weicht man über Dampf einige Stunden lang auf. Nach Beendigung dieses Arbeitsvorganges wird die Rinde vom Baum abgeschält und in der Sonne getrocknet. In der nächsten Verarbeitungsstufe wird die Rinde einen ganzen Tag im klaren Quell,- oder Flusswasser gebleicht, um die Gerbsäure zu entfernen. Danach beseitigt man die schwarze Außenrinde, sodass nur die helle Innenrinde übrig bleibt.

Kozo kochen und Kamiso gewinnen

washi herstellung aus japan

Die Masse wird dann über Holzfaser im großen Kessel gekocht. Dadurch weichen die verwickelten Fasern auf und entwirren sich. Diese Fasern ergrauen bei dem Arbeitsgang und man muss sie nunmehr im klaren Wasser säubern. In der nächsten Phase bearbeitet man die Fasern mit einem Holzstock für mehrere Stunden. Der gewonnene Stoff ist weich wie Baumwolle und heißt Kamiso.

Washi-suki / Papier handschöpfen

washi suki methode

In einem großen Becken werden Kamiso, Wasser und das natürliche Bindungsmittel Maniok-Bisameibisch vermischt. Danach rüttelt man mit einem Schöpfrahmen die Masse in rhythmischen Bewegungen zur gewünschten Papierdicke. Das nun fast fertige Papier wird mit einem schweren Gewichten gepresst und am nächsten Tag in der Sonne getrocknet. Damit ist das Endprodukt Washi-Papier gewonnen.

Traditionelle Washi Produkte

Das Japanpapier ist seit langem ein beliebtes Produkt in Japan. Auf Grund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit verarbeitet man Washi nicht nur zu Kalligraphie Papier, sondern unter Anderem auch zu Lampenschirmen und Schiebetüren (Shoji). Diese verwendet man an Stelle von Gardinen. Einige Designer haben diese traditionellen Verwendungsarten wieder aufgegriffen und an die moderne Ästhetik angepasst.

Washi Lampe

isamu noguchi washi lamp

Durch die Verwendung des Japanpapiers als Lampenschirm wird der Raum in ein angenehmes, warmes Licht gehüllt. Das wusste auch der amerikanisch-japanische Designer – Isamu Noguchi – als er die Akari Lampe designte. Sie verkörpert modernes, schlichtes Design mit traditionellem Handwerk. Noguchi ist weltweit durch seine einmaligen Einrichtungsgegenstände bekannt. 

Shōji – japanische Schiebetüren aus Papier

In traditionellen, japanischen Häusern findet man häufig auch Shōji. Das sind Raumteiler aus Papier, die sich je nach Bedarf verschieben lassen.Sie werden meist in der Funktion einer Tür (Schiebetür), Gardine oder eines Raumteilers benutzt. Da sie lichtdurchlässig sind, wurden sie entlang der Außenwände eingesetzt. So wurde das Gebäudeinnere stets mit Tageslicht versorgt und war gleichzeitig vor Einblicken geschützt. Natürlich sind Papierwände natürlich weder geräusch- noch wärmedämmend.

Ein Shōji besteht aus einem Holzrahmen, einem schmalen stabilisierenden Holzbrett am unteren Teil (Koshi-Ita) und den filigranen Gitterstreben (Kumiko). Auf diesen klebt man das Papier mit Reisstärke-Leim (Sokui) auf. Je nach der durch die Kumiko entstehenden Einteilung unterscheidet man Tateshige-Shōji (mehr als 4 Spalten) und Yokoshige-Shōji (weniger als 4 Spalten).

Chiyogami

origami aus washi

Japanisches Chiyogami-Papier oder auch Yuzen Washi-Papier, ist ein Synonym für japanischen Stil und Qualität. Brillante und intensive Farbmuster mit metallisch-goldenen Überzügen werden von Hand auf hochwertiges Kozo-Papier siebgedruckt. Kimonostoffe dienten als Inspiration für die Designs und von Handwerksmeistern aus ganz Japan sorgfältig gefertigt. Chiyogami wird traditionell auf Washi aus Kozo-, Mitsumata- und Gampi-Fasern hergestellt. 

Moderne Washi Produkte

Neben den traditionellen Formen der Washi-Produkte haben sich aber auch moderne Verwendungsweisen entwickelt. Zwei der bekanntesten Beispiele dafür sind bundes Washi-Klebeband (Masking Tape) und die Accessoires der Produktlinie SIWA.

MT Masking Tape

washi masking tape
©MT Masking Tape

Während Washi bis vor nicht allzu langer Zeit nur Japanern und Japan Liebhabern bekannt war, ist es jetzt auch unter Design- und Bastelfreunden durch aus bekannt. Doch hat sich das Wissen plötzlich auch auf diese Gruppen ausgeweitet? 2008 kam erstmals das so genannte “Washi Tape” auf den Markt. Dabei handelt es sich um buntes Washi-Klebeband mit dem man so allerlei schöne und lustige Sachen anstellen kann. Hergestellt wir das Original von der japanischen Firma Kamoi Kakoshi. Initial gab es nur eine Kollektion von 20 unifarbenen Klebebändern, doch bald kamen die unterschiedlichsten Muster und Farbkombinationen dazu. Was ursprünglich als kleines Projekt für Kinder in der Präfektur Okayama startete, setzte einen weltweiten Trend, sodass man heute MT Masking Tape in jedem größeren Schreibwarenladen antrifft.

SIWA

produkt-papier-siwa-japan

Die japanische Firma Onao produziert das neue, papierähnliche Material Soft Naoron mit der traditionellen Washi-suki Methode. Der Prozess ist so ähnlich wie bei der Herstellung von Japanpapier (washi). Das Innovative an diesem Material ist jedoch die Mischung aus einem Holzbrei und Fasern recycelten PETs (Plastik) bzw. Polyesterfasern. Diese Zusammensetzung macht das Material, im Unterschied zu ’normalem‘ Papier wesentlich weicher, robuster und flexibler. Doch es ist auch strapazierfähig und behält sogar bei Nässe seine reißfeste Eigenschaft.

Updated: 06.06. 2020 | Posted by Yuya

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