Japanisches Kunsthandwerk

Tobe Porzellan – Vom Stein zur Teetasse

Tobe Yaki wird in der kleinen Stadt Tobe der Präfektur Ehime hergestellt. Die Präfektur ist in ganz Japan für hauptsächlich 2 Dinge bekannt: Mandarinen und Tobe Yaki

Wegen des sonnig-warmen Klimas, wachsen dort angeblich die süßesten Mandarinen von ganz Japan. Japanische Hausfrauen servieren diese Mandarinen-Stückchen besonders im Sommer gerne auf den weißen Keramiken mit indigoblauem Muster aus der Stadt Tobe. Das leuchtende Orange der Mandarinen bildet einen tollen Kontrast zum Weiß und Blau des Porzellans und lässt einem schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammen laufen. Das Auge isst ja bekanntlich mit und Japaner wissen das sehr gut.

Tobe Yaki aus Ehime

japanisches essen

„Tobe Yaki“ aus der Präfektur Ehime ist seit der Edo-Zeit (18. Jhdt.) eine bekannte Brennmethode für Porzellan in Japan. Das Grundmaterial von Tobe-Porzellan wird aus den gleichen Steinen hergestellt, die früher zur Herstellung von Messerschleifsteinen verwendet wurden.

Die milchig weißen Produkte sind dick und stabil. Sie dienen daher weniger zur Dekoration als viel mehr zur alltäglichen Nutzung. Im Jahr 1976 wurde Tobe Yaki in Japan als staatlich anerkanntes Traditions-Kunsthandwerk „Dentou Kougei“ ausgezeichnet.

Heutzutage gibt es mehr als 100 Töpferwerkstätten in Ehime. Die älteste Töpferwerkstatt heißt „Baizan Gama“ und wurde im Jahr 1882 gegründet. Außer traditionellen Mustern in Form von indigofarbenen Schnörkeln und Pflanzenmustern, gibt es auch moderne Muster, die von Kunsthandwerkern per Hand auf die Tobe-Produkte gemalt werden.

Design und seine Bedeutungen

Ein typisches Muster auf Tobe Yaki ist zum Beispiel die Chrysantheme. Sie ist auch die Blume des japanischen Kaiserhauses und ein allseits beliebtes Herbstmotiv in Japan. Andere klassische Porzellanverzierungen sind zum Beispiel Kletterpflanzen, Hirtentäschel und Dreiblütlerkraut.

Aber neben den schönen Mustern ist Tobe Yaki auch einfach absolut alltagstauglich. Es kann sogar in die Spülmaschine gestellt und in der Mikrowelle verwendet werden. Durch die dicke Wandstärke des Porzellans, hat es super Isolierfähigkeiten und hält Flüssigkeiten länger warm, ohne dass man sich von außen die Finger daran verbrennt.

Kenka yaki

Ganz entgegen des gängigen Stereotyps, das Japaner und Japanerinnen immer höflich, nett und kontrolliert sind, können hinter geschlossenen Türen auch mal ordentlich die Fetzen fliegen. Dabei geht auch schon mal das ein oder andere Stück Geschirr zu Bruch, aber nicht so Tobe Yaki! In Japan wird dieses Geschirr auch manchmal „kenka yaki“ also zu Deutsch „Streit-Geschirr“ genannt.  Es trägt diesen Namen, weil es selbst dann keine Risse bekommt, wenn anderes Geschirr schon längst in 1000 Scherben zerbrochen wäre.

Aber selbst wenn es doch einmal zerbrechen sollte, haben sich die Japaner etwas Schlaues einfallen lassen, um die guten Stücke trotzdem nicht wegwerfen zu müssen. Die Lösung heißt Kintsugi! Wenn Sie mehr über diese tolle Reparaturmethode erfahren wollen, klicken sie hier.

Wie wird Tobe Porzellan hergestellt?

Der Herstellungsprozess beginnt mit dem zerkleinern von bestimmten Steinen, welche aus dem Steinbruch in der Nähe des Städtchens stammen. Diese werden dann maschinell zermahlen, bis ein feines Pulver entsteht. Das Pulver wird dann mit Wasser vermischt um eine tonartige Masse zu erzeugen.

Nach dem Entlüften, welches der späteren Festigkeit und Stabilität des Porzellans dient, wird die Masse per Hand auf einer Drehscheibe zu den späteren Teetassen, Schüsseln und Schalen geformt. Dann werden noch die überflüssigen Kanten weggenommen und abgerundet, sodass die Objekte ihre wunderschöne Form erhalten.

Die Produkte müssen dann für 2-3 Tage an der Luft trocknen, um die Stabilität weiter zu erhöhen. Danach werden sie bei 940 °C für ca. 22 Stunden im Brennofen gebrannt. Wenn die Objekte dann wieder auf Zimmertemperatur abgekühlt sind, folgt die Verzierung mit klassischen Mustern in Indigo-Farbe.

Indigo ist beim Auftragen zu nächst Schwarz und bekommt erst durch den nächsten Brennvorgang die typische azurblaue Farbe.
Das Bemalen mit Pinsel und Farbe erfolgt auch heute noch durch die geübten Hände der Hersteller.

Bevor das Porzellan ein zweites Mal in den Brennofen geschoben wird, wird es noch mit einer Art Glanzfarbe überzogen.

Der zweite Brennvorgang findet bei 1235 °C für weitere 22 Stunden statt. Danach ist das Porzellan eigentlich fertig, doch wenn sie noch mit anderen Farben wie rot oder gelb verziert werden sollen, müssen die Objekte noch ein drittes Mal bei 770°C gebrannt werden.

Updated: 14.03.2018 | Posted by Yuya

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