Design & Art Japanisches Kunsthandwerk

Ukiyo-e – Holzschnitt Kunst aus Japan

hokusai ukiyoe

Sicherlich kennt jeder das Ukiyo-e Bild „große Welle bei Kanagawa“ von Hokusai. Dieses stellt die zerbrechlichen, kleinen Holzboote im dunkelblauen Wasser bei schwerem Seegang dar. Es sieht so aus als ob die Fischerboote jederzeit zwischen den großen Wellen zerbrechen würden. Hinter den Wellen ist der größte japanische Berg, der Berg Fuji zu sehen. Aber weißt du wo das Bild “große Welle bei Kanagawa“ von Hokusai hängt?

hokusai große welle bei Kanagawa
Große Welle bei Kanagawa – Katsushika Hokusai – ukiyo-e.org,

Die “Mona Lisa” hängt natürlich im Louvre Museum in Paris, die “Sternennacht” von Van Gogh im MoMA in New York, “Marilyn Monroe” von Andy Warhol im Tate Museum in London. Das Bild “Die große Welle” hängt jedoch nicht nur in einem Museum. Man kann es im Tate Museum, Metropolitan Museum Of Art und Nationalmuseum in Tokyo bewundern. Das Tate Museum hat genau genommen sogar 3 Stücke. Und wie kommt das? Im Vergleich zu den gemalten Bildern gibt es im Prinzip kein Originalbild, sondern nur einen originalen Holzschnitt. Die Ukiyo-e Bilder sind demnach alles Kopien, die zu Tausenden erstellt wurden. Heute nehmen wir dich mit in die faszinierende Welt der Ukiyo-e – Holzschnitt-Kunst aus Japan. 

Geschichte – Ukiyo-e aus Edo 

japan in edo zeit
Minobusan Asamairi no zu: Actors – Toyohara Kunichika – ukiyo-e.org

“Ukiyo-e” bedeutet im Japanischen: Bilder der vergänglichen oder „fließenden Welt“. Damit wird ein bestimmtes Genre der japanischen Malerei und der japanischen Druckgrafik beschrieben. Sie stellt den ersten Farbdruck der Welt dar. Ukiyo-e wurden in der Edo-Zeit (17. – 19. Jahrhundert) in Japan erfunden und weiterentwickelt. Ukiyo-e ist heute eines der bekanntesten Genre der japanischen Kunst. Ähnlich wie die späteren Fotografien, sind sie eine Momentaufnahme des Lebens aus Japan zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort. 

Warum waren Ukiyo-e so populär?

Ukiyo-e wurde als als wichtiges Unterhaltungsmedium, aber auch zu kommerziellen Zwecken genutzt. Damals haben sich Leute, statt durch das Fernsehen oder Internet, viele Information über die Gesellschaft durch Ukiyo-e geholt und geteilt.

Für die Druckplatten wurde meist Holz von Kirschbäumen benutzt, da es sehr glatt und perfekt für den Druck war. Ukiyo-e Bilder waren wegen der Möglichkeit zur einfachen Vervielfältigung sehr günstig zu kaufen. Gegen Ende der Edo-Zeit kostete ein großes Ukiyo-e mit 39 x 26.5 cm nur ca. 500 Yen (3 EUR) und ein kleines mit 33 x 15 cm ca. 200 Yen (1.50 EUR). Durch die günstigen Preise wurden Ukiyo-e rasch massenhaft in der Mittelschicht verbreitet und entwickelten sich zur gesellschaftlichen Strömung. Mit einem Holzschnitt konnte eine Auflage von ca. 200 Blättern erstellt werden. Für sehr beliebte Bilder wurde der Holzschnitt noch einmal neu geschnitzt und so konnten einige Motive über 10.000 mal gedruckt werden. 

Ukiyo-e als Manga und Reisemagazin der Edo-Zeit

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Hokusai Manga – Katsushika Hokusai – ukiyo-e.org

Es gibt vielfältige Arten von Ukiyo-e, daher waren sie bei allen Altersgruppen von Erwachsenen bis zu Kindern beliebt. Der Ukiyo-e Künstler Hokusai veröffentlichte Hokusai-Manga, die zum Ursprung der heutigen Manga (Comic-Bücher) wurden. Hokusai-Manga ist eine Sammlung von Sketchen in insgesamt 15 Bänden. Hier wird keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern Momentaufnahmen von Landschaften und Menschen, Alltag und Übernatürlichem, auf lustige Weise dargestellt.

Gijinka, der Vorfahre der Pokemon

Utagawa Kuniyoshi ist sehr bekannt für seine Gijinka-Ukiyo-e. Gijinka ist eine Personifikation von Tieren oder tierartigen Charakteren. Er kreierte z.B. Katzen oder Goldfische, die wie ein Mensch gekleidet sind oder offensichtlich in menschlicher Körperhaltung dargestellt sind. Man kann somit möglicherweise als Vorläufer von Pokemon und anderen japanischen Maskottchen betrachten. 

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Kingyo – Utagawa Kuniyoshi – ukiyo-e.org
kingyo zukushi

Neben den Manga-Ukiyo-e gab es ebenfalls häufig Yakusha-e, das sind Porträt-Poster von Kabuki Schauspielern. Nach dem Besuch im Kabuki-Theater haben sich die Leute, solche Bilder von berühmten Schauspielern oder bekannten Szenen aus dem Kabuki-Theater als Erinnerungsstück oder Mitbringsel gekauft. 

Bijin-ga, die Schönheit auf Papier

Die so genannten “Bijin-ga” sind auch eine sehr bekannte Art der Holzschnitt-Drucke. Sie zeigen das Ganzkörper Portrait von schönen, modisch gekleideten Damen. Diese Drucke waren die Vorläufer der japanischen Mode Magazine. Die Models waren meistens besonders hübsche Teeladen-Mädchen, elegante Geishas oder Yoshiwara-Frauen aus dem Freudenviertel in Edo.

geisha frauen
Bijin-ga – Kitagawa Utamaro – ukiyo-e.org
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Awa, Naruto Whirlpools – Utagawa Hiroshige

Fuukei-ga, die Ursprünge des Reisemagazins

Die Einwohner von Edo durften damals nicht überall hinreisen und für viele war es auch schlicht und einfach zu gefährlich. Deshalb hat man sich Ukiyo-e von Landschaften angesehen. Ähnlich wie bei einem Reisemagazin hat man sich vorgestellt, wie es an diesem Ort – an den man nie kommen wird – wohl aussehen würde. Der Künstler Utagawa Hiroshige war der bekannteste Künstler der “Fuukei-ga” (Landschaftsbilder). Er entwarf manchmal auch fiktive Landschaften. Seine Bilderserie “100 berühmte Ansichten von Edo”, “53 Stations of the Tōkaidō” und “36 Ansichten des Berges Fuji” sind einige der schönsten Ukiyo-e-Landschaftsbilder.

Omocha-e als Kinderspielzeug

Ukiyo-e-Künstler haben außerdem für Kinder die so genannten “Omocha-e” (Spielzeugbilder) entwickelt. Kumiage-e ist ein Teil der Omocha-e und dafür gedacht, dass die Kinder die Ukiyo-e ausschneiden, zusammenbauen und damit spielen können. Es ist eine Illustration in einem größeren Bild und man kann damit später dreidimensionale Modelle bauen. 

ukiyoe für kinder
Karuta – ukiyo-e.org
omochae ukiyoe
Kumie – ukiyo-e.org

“Monozukushi” waren ebenfalls beliebte Spielzeugbilder für Kinder. Auf dieser Art von Bild sind viele verschiedenen Gegenstände oder Tiere zu sehen. Dies wurde damals wie ein Bilderlexikon benutzt.

Ukiyo-e Meister aus Japan

samurai ukiyoe

Viele Ukiyo-e Bilder wurden nicht allein von einem Künstler erstellt, sondern von mehreren Personen zusammen. Grob geteilt gab es 3 Aufgabenbereiche bzw. 3 Fachmeister, die zusammen ein Bild erstellten. Der E-shi ist natürlich die wichtigste Person für das Ukiyo-e. Der E-shi ist der Illustrator und entscheidet über das Konzept, die Schnitte und die Farbwahl. Die Holzschnitte für den Druck werden dann vom Hori-shi gefertigt und der Sumi-shi führt schließlich den Druck mit der Farbe aus. Die meisten Hori-shi und Sumi-shi haben keinerlei Bekanntheit gewonnen, da das Bild nur den E-Shi zugeschrieben wurde. Hier möchten wir dir 3 der bekanntesten E-shi vorstellen.

Katsushika Hokusai

Hokusai ist wohl der bekannteste Ukiyo-e Künstler gewesen. Er ist 90 Jahre alt geworden und hat insgesamt über 30.000 Bilder entworfen. Seine Karriere fing mit 14 Jahren an. Mit 19 Jahren wurde er der Schüler von Katsukawa Shunshō und lernte in der Katsukawa-Schule fleißig die Kunst der Ukiyo-e. Hokusai war sehr offen für andere Kunststile. Er hat sogar den Stil von anderen Schulen wie der Kanō-Schule oder europäische Stile übernommen. Als das jedoch rauskam, wurde er der Katsukawa Schule verwiesen.

Der unperfekte Perfektionist

Hokusai galt bereits unter Zeitgenossen als Exzentriker, ein Ukiyo-e Freak, der keine Zeit hatte, seine Wohnung sauber zu halten. Daher ist er angeblich in seinem Leben über 90 Mal in eine andere Wohnung umgezogen. Es gibt sogar die Geschichte, dass er 3 mal an einem Tag umziehen musste. Bis zu seinem Lebensende hat er nicht aufgehört, neue Sachen in seine Kunst zu integrieren.

Mit 90, kurz bevor er starb, sagte er auf seinem Sterbebett: “Könnte ich noch 5 Jahre länger leben, könnte ich ein echter Künstler werden!” Als Hokusai 75 Jahre alt war, sagte er: “Bevor ich 70 Jahre alt war, habe ich viele unwichtige Sachen geschaffen, mit 73 Jahren habe ich langsam verstanden, wie man Tiere, den Aufbau des Körpers und die Natur zeichnen kann, mit 90 Jahren kann ich das tiefste Mysterium der Kunst durchdringen und gehe mit 100 Jahren in Gottes-Gebiet über.” Dazu kann man nur sagen: Typisch japanischer Perfektionismus…

hokusai meer
Koshu Kajikazawa – Katsushika Hokusai – ukiyo-e.org

Utagawa Hiroshige

Hiroshige ist neben Hokusai ebenfalls ein sehr bekannter Ukiyo-e Meister. Er war 37 Jahre  jünger als Hokusai aber trotzdem sein Rivale. Sein Lehrer war Utagawa Toyohiro und er lernte am Anfang die Kunst der Yakusha-e und Bijin-ga. Er ist heute neben Utagawa Kuniyoshi und Kunisada einer der drei stilbildenden Meister des Ukiyo-es. Schon mit 34 Jahren veröffentlichte er Tokyo E-sho (die Landschaftsbilder von Tokyo) und mit 36 Jahren die bekannte Serie “Die 53 Stationen des Tōkaidō”. Dadurch wurde er der bedeutendste Landschaftskünstler Japans im Bereich des Farbholzschnitts.

Hiroshige Blue

Hiroshige nutzte häufig den Stil “Ichimonji Bokashi” (ein blauer Streifen mit Graduierung) in seinen Bilder. Dafür benutzte er den Farbstoff Preussischblau, welcher später auch Hiroshige-Blue genannt wurde. (Diese Farbe ist unter anderem dafür ein Indiz, dass japanische Geschäftsleute auch während der Abschottung Japans, dem Sakoku, Handel mit europäischen Ländern unterhielten).

Hishikawa Moronobu

Hishikawa Moronobu ist zwar nicht der eigentliche Erfinder der Ukiyo-e, aber er hat dem ursprünglichen Holzdruck die neue Form gegeben, welche Generationen von Künstlern nach ihm noch verwendeten. Nichtsdestotrotz ist er weit weniger bekannt als Hokusai oder Hiroshige. Moronobu war vor allem Illustrator für Bücher, aber seine Illustrationen wurden bekannter als die Bücher selbst. Anders als die oben genannten Künstler fertigte Moronobu jedoch nur schwarz-weiß Drucke, die er zum Teil später per Hand colorierte.

Ukiyo-e und Japonismus

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La Japonaise, 1876 – Claude Monet – Public domain WikiArt

Im 19. Jahrhundert gab es einen Japan-Trend in Europa, besonders in Frankreich. Dieser Einfluss der japanischen Kunst auf die damaligen Künstler wurde “Japonismus” genannt. Japanische Kunstobjekte oder Kunsthandwerke wie Fächer, Bildschirme, Porzellan, Bronzen und Ukiyo-e-Holzschnitte wurden in Frankreich immer beliebter. Einige der berühmtesten impressionistischen Künstler der Zeit  ließen sich von den japanischen Ukiyo-e inspirieren. 

tanguy van gogh
Père Tanguy – Vincent van Gogh – Public domain WikiArt

Impressionistische Künstler wie Claude Monet, Alfred Emile Stevens, Édouard Manet, waren von der neuen japanischen Kunst begeistert. Insbesondere die Werke Hiroshiges, Hokusais oder Utamaros beinflussten das Schaffen der europäischen Künstler. Die Momentaufnahme des Lebens, neue Farbkontraste, ungewöhnliche Blickwinkel und asymmetrische Kompositionen mit dekorativen Motiven waren völlig anders als in der traditionellen, europäischen Kunst. Viele Künstler haben sich daraus neue Idee davon geholt. Der post-impressionistische Künstler Van Gogh studierte eingehend japanische Holzschnitte und ließ sie in seine Arbeit einfließen. Van Gogh hat viele Ukiyo-e im eigenen Stil, zum Teil aber auch einfach komplett nachgemalt.

“All my work is based to some extent on Japanese art…”

Brief von Van Gogh zu seinem Bruder Theo von Arles, 15.Juli.1888
ukiyoe ume hiroshige
Ume – Utagawa Hiroshige – ukiyo-e.org
ukiyoe van gogh
Ume – Vincent van Gogh – Public domain WikiArt

Ukiyo-e Museen besuchen

Wenn du in der Gegend bist und Zeit hast, solltest du auf jeden Fall diese Museen besichtigen.

1. Sumida Hokusai Museum in Tokyo

Das Museum wurde im November 2016 in Tokyo Sumida, eröffnet. Dort wurde Hokusai geboren und er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Sumida. In dem Museum werden ca. 1800 Bilder von Katsushika Hokusai ausgestellt. Die Architektur des Museums ist sehr elegant und schön.

  • Adresse:2 Chome-7-2 Kamezawa, Sumida City, Tokyo 
  • Tel: 03-6658-8936
  • Website: https://hokusai-museum.jp
  • Eintrittspreis: 400 YEN
  • Öffnungszeit: 9:30-17:30
  • Geschlossen: Montag, Nationalfeiertag

2. Japan Ukiyo-e Museum in Nagano

Dieses ist das größte Ukiyo-e Museum in Japan. Die Sammlung umfasst mehr als 100.000 Bilder.

  • Adresse:2206-1 Shinkiri, Shimadachi, Nagano
  • Tel:0263-47-4440
  • Website: http://www.japan-ukiyoe-museum.com/
  • Eintrittspreis: 500 YEN
  • Öffnungszeit: 10:00-17:00
  • Geschlossen: Montag, Nationalfeiertag

3. Ota Memorial Museum of Art in Tokyo

Hier wird die Sammlung von dem verstorbenen Seizo Ota ausgestellt, welche mehr als 12.000 Stücke (nikuhitsu-ga und ukiyo-e Drucke) enthält. Sie ist eine der größten Ukiyo-e Privatsammlungen der Welt.

  • Adresse:1 Chome-10-10 Jingumae, Shibuya City, Tokyo
  • Tel:03-5777-8600
  • Website: http://www.ukiyoe-ota-muse.jp/eng
  • Eintrittspreis: 1000 YEN
  • Öffnungszeit: 10:30-17:30
  • Geschlossen: Montag, Nationalfeiertag

4. Van Gogh Museum in Amsterdam

In dem Museum kann man die private Ukiyo-e-Sammlung von Van Gogh sehen und wie er Ukiyoe betrachtet hat. Hier lässt sich sehr schön der Bezug zwischen den Originalen Ukiyo-e und seiner Kunst beobachten. Er hatte zu seiner Lebzeit etwa 400 Ukiyo-e gesammelt.

  • Adresse:Museumplein 4, 1071 DJ Amsterdam
  • Tel: 020 570 52 00
  • Website: https://www.vangoghmuseum.nl/en
  • Eintrittspreis: 19 EUR
  • Öffnungszeit: 9:00-19:00
  • Geschlossen: Nationalfeiertag

Published: 22.03.2020 | Posted by: Yuya

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