Design & Kunst aus Japan

Japans minimalistisches Design & Kenya Hara

Itsukushima-Schrein insel

Was ist eigentlich japanisches Design und was sind typische Eigenschaften von japanischem Design? Wenn man zunächst davon hört, stellen sich Viele traditionelle Ukiyoe-Bilder (Holzschnitt) wie z.B. die große Welle von Kanagawa von Hokusai oder die blumigen Designs von Kimonos oder auch Sakura-Motive vor. Doch heute möchten wir eher über den Minimalismus im japanischen Design sprechen. Anhand der Perspektive des japanischen Designers Kenya Hara stellen wir euch diese spezielle Designphilosophie aus Japan und dessen Ursprung vor.

Kenya Hara

BĂĽcher fĂĽr Design-Liebhaber

Kenya Hara ist einer der einflussreichsten Designer Japans. In seiner Design-Philosophie werden häufig japanisches, Minimalistisches Design und Ă„sthetik der Alltagsgegenstände im historischen und religiösen Kontext thematisiert. Hara ist seit 2001 Direktor fĂĽr die japanische Lifestyle-Marke MUJI. AuĂźerdem ist er Professor an der Musashino Art University in Tokyo und lehrt dort Kommunikationsdesign. Insbesondere die Gestaltung der Kommunikation zwischen einem Unternehmen, dessen Kunden und Produkten stehen dabei im Fokus seiner Lehren, d.h. er designt das Image oder die Brand einer Firma, sodass sie eine bestimmte Botschaft vermitteln. Er hat bisher auch einige BĂĽcher ĂĽber japanisches Design geschrieben. Die bekanntesten darunter sind z. B. „Weiss“, „Designing Design“ und „Ex-formation“. Hara versucht in seinen Designs die kulturellen Ressourcen des Landes (Japan) zu nutzen und ĂĽberwindet damit die Vorstellung, dass Design gleichbedeutend mit Innovation sein muss.

Minimal-Design in Europa

Einfach und schlicht

Hara sagt oft, dass das Minimal-Design in Japan und Europa grundsätzlich unterschiedlich geprägt ist und verschiedene Ursprünge hat. Das minimalistische Design (und auch die Kunst) in Europa ist als Teil einer Bewegung von liberalen Leuten entstanden, die luxuriöse Gegenstände ablehnten. Ihr Ansatz war es, die Menschen von ‒ ihrer Meinung nach ‒ überflüssigen Gegenständen und Prunk zu befreien, sodass nur noch das Essentielle übrig bleibt. Diese Designform, die sich durch gerade Linien und reduzierte verzierung auszeichnet, erstreckt sich über die Gebiete der Malerei und Objektkunst bis hin zur Architektur. Diese Stilrichtung wird “Bauhaus” genannt.

bauhaus style
Bauhaus Style

Ein bekannter Satz des Direktors (Ludwig Mies van der Rohe) der Bauhaus Kunstschule, welche 1919 gegründet wurde, war “weniger ist mehr”. Bauhaus hat in Europa das bis dato gängige Konzept der Ästhetik völlig verändert und ein neues Konzept der Ästhetik kreiert. Im Mittelpunkt steht nun die Reduktion und Minimalismus. Bekannte Künstler und Lehrer der Bauhaus Schule wie Paul Klee und Wassily Kandinsky streben nach Funktionalität, Logik, Klarheit und der Einfachheit der Objekte. Durch diese Abkehr vom klassischen Stil sind die Möbel und Architektur von Bauhaus heute noch modern und stehen für eine bestimmte Lebenseinstellung.

Minimal-Design in Japan

Kranich im Schnee
Kranich im Schnee

Hingegen stammt die Version der japanischen Einfachheit bzw. das Minimal-Design aus dem Shintoismus und den Ereignissen des Bürgerkriegs vor etwa 550 Jahren. In der Muromachi-Zeit (14.-16. Jh.) war das Shogunat sehr mächtig und wollte die Kontrolle über ganz Japan übernehmen. Der damalige Shogun Ashikaga Yoshimasa war jedoch wenig an Politik und dafür um so mehr an Kunst interessiert. Dadurch zog sich der Bürgerkrieg “Ōnin no Ran” über 10 Jahre hin, in denen die damalige Hauptstadt Kyoto komplett niedergebrannt und zerstört wurde. Der Shogun Yoshimasa war so fasziniert von dieser Kultur, dass er sich von politischen Tätigkeiten sehr früh zurückgezogen hat. Er ließ dann den Tempel des Silbernen Pavillons “Ginkaku-ji” erbauen und verbrachte die meiste Zeit mit der Teezeremonie, Malerei und Kalligraphie.

2 Raben Tuschemalerei
2 Raben – Tuschemalerei

In dieser Zeit, in der aller Besitz so leicht zerstört wurde, begannen die Menschen daran zu zweifeln, ob Reichtum wirklich Glück bringen würde. Diese Verzweiflung wurde zu einem Antrieb der Wabi-Sabi-Kultur, in welcher das Unperfekte und das natürliche Chaos als schön betrachtet wird. Der Gedanke des Wabi-Sabi findet sich jedoch nicht ausschließlich in Objekten, sondern ist ebenfalls eine Denkweise, die sich in der Anerkennung von unperfekter Schönheit zeigt. Teil des Gedankenguts war es, sich von ablenkenden Gegenständen zu befreien, um bewusst eine Leere zu erzeugen. Diese soll die Konzentration fördern und Raum schaffen und so geistige Erfüllung zu erlangen.

Mit dem Zweck das Bewusstsein für das hier-und-jetzt zu verschärfen, haben die Leute den Teeweg praktiziert. Die Teezeremonie war eines der essentiellen Elemente der Wabi-Sabi Kultur. Der Teeraum wird daher seit dieser Zeit sehr schlicht gestaltet, um sich nur auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Design Philosophie von Kenya Hara

Itsukushima-Schrein insel
Der Itsukushima-Schrein

Hara erklärt in seinem Buch „Designing Design„, dass das Konzept der Leere aus der Wabi-Sabi Kultur eine sehr wichtige Rolle in seinem eigenen Design spielt und dass “Design […], Kommunikation von sich selbst und Umgebung / Objekte [bedeutet]”. Er spricht ĂĽber das neue Potential des Designs, welches in diesem alten japanischen Konzept verankert ist und sieht es als wiederverwendbare Ressource Japans. In seinem Buch tauchen häufig das Wort “Leerheit / Der leere Raum” (Emptiness) auf, welches sehr starken Einfluss auf seine Design-Philosophie nimmt. Als Kommunikationsdesigner empfindet er es als wichtig, dass kreative Fragen keine klare Antwort erfordern. Kreativität ist nicht nur fĂĽr den Kreierenden wichtig, sondern wird auch vom den Empfänger gefordert, der sich selbst etwas vorstellen soll. In dem Buch Weiss (deutsche Ăśbersetzung) betont er, dass “[…] die Qualität der Kreativität an der Fragestellung liegt und nur eine kreative Fragestellung die Bezeichnung Ausdruck verdient”. Um dies auszudrĂĽcken, verwendet er häufig als Designmethode das Konzept des  leeren Raums. Der leere Raum heiĂźt auf Japanisch ç©şç™˝ (Kuhaku) besteht aus 2 Zeichen. ç©ş (Leere) und ç™˝ (WeiĂź) also leeres WeiĂź oder weiĂźe Leere. Die Farbe Weiss wird hier nicht in seiner physikalische Eigenschaften als Lichts, sondern unter emotionalen Aspekten als Klarheit und Nicht-Sein betrachtet.

japanisches design empty + white

Weiß wird als Nicht-Farbe begriffen und steht daher für die Leere bzw. die Abwesenheit von etwas. Doch aus einer anderen Perspektive betrachtet, birgt die Leere auch das Potenzial mit etwas gefüllt zu werden. Es trägt sozusagen die “Möglichkeit des Noch-nicht-Sein[s]”. Dieser ungefüllte Raum bietet nun für jeden Betrachter oder Empfänger den nötigen Platz, um ihn mit eigener Kreativität und Vorstellungskraft zu füllen. Da er jedoch noch nicht gefüllt ist, bietet er unendlich viele Möglichkeiten ihn neu zu befüllen. Ähnlich wie ein leeres Gefäß, dass das Potenzial trägt mit den unterschiedlichsten Dingen gefüllt zu werden.

Designs von Kenya Hara sind einfach zu erkennen, denn das Konzept des leeren Raums ist stetig präsent. Sein Poster Horizon von MUJI (2003) ist sehr typisch für seinen Stil. Es ist so reduziert, dass die Betrachter den Inhalt auf unterschiedlichste Weise interpretieren können.

MUJI Poster von Kenya Hara: Hier

BĂĽcher fĂĽr Design-Liebhaber

design bĂĽcher

Anschließend möchten wir euch einige Bücher von Kenya Hara vorstellen, die für Design-Liebhaber bestimmt interessant sein könnten. Sie haben nicht nur schöne Bilder und Grafiken, sondern beschreiben auch sehr schön und plastisch seine Philosophien.

  • WA – The essence of japanese design: Phaidon Verlag
  • Weiss: Lars MĂĽller Publishers
  • Ex-formation: Lars MĂĽller Publishers
  • Designing Design: Lars MĂĽller Publishers

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