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Essen – Japanische Gerichte für Zuhause

Wenn man das erste Mal als Tourist nach Japan fährt, kann man sich vor Tipps nach dem Motto “Das musst du mal probiert haben!”, kaum retten. Die Top-Favoriten sind natürlich Sushi, dass auf Fließbändern vor deiner Nase vorbei fährt und dampfende Schüsseln mit Ramen (Nudelsuppe), die man geräuschvoll schlürfen darf. In der Reihe dürfen die kleinen Teigbällchen mit Oktopus-Füllung (Takoyaki) und die herzhaften japanischen Pfannkuchen (Okonomiyaki) selbstverständlich auch nicht fehlen. Dann gibt es noch eine ganze Menge an “Crazy Japan”-Food wie lebender Oktopus, Walfleisch und Quallen-salat. Doch essen Japaner diese Gerichte wirklich jeden Tag? Die Antwort darauf: Nein, eher nicht! Die wenigsten Japaner haben in ihrem Leben schon einmal “Crazy Japan”-Food gegessen. Doch essen Japaner hin und wieder mal Sushi und auch zu einer guten Schüssel Ramen werden die meisten nicht “Nein” sagen, aber eben nicht jeden Tag. Doch was sind dann die Klassiker der traditionellen japanischen Küche für Zuhause?

nigiri sushi

Die Essenz der japanischen Küche

Die Grundlage der traditionellen japanischen Hausmannskost bildet der weiße Reis. Er wird zu ungefähr Allem dazu gegessen (auch manchmal zu Nudeln und definitiv zu Kartoffel-Gerichten). Dazu gibt es dann eine Auswahl an verschiedenen Beilagen. Diese bestehen gewöhnlich aus Fisch, Fleisch, Ei, Gemüse, Seetang, Algen oder Miso Suppe. Die Gewürze, mit denen fast alle Gerichte abgeschmeckt werden, heißen: Sojasoße, Mirin (süßlicher Reiswein), Koch-Sake, Zucker und Dashi und sind in jedem japanischen Haushalt, in dem tatsächlich gekocht wird, zu finden. Um einen Überblick darüber zu gewinnen, was für Gerichte und Beilagen das sein könnten, haben wir euch eine Liste mit einigen typischen Homestyle Speisen zusammengestellt:

Mix & Match

japanische Beilagen

Wie eingangs erwähnt, gibt es in Japan häufig eine Auswahl an Beilagen zum Reis dazu. Sie stehen häufig in der Mitte des Tisches und sind zum Teilen gedacht oder werden für Jeden in kleinen Schälchen portioniert. Einige werden frisch vor jeder Mahlzeit zubereitet, andere meistens einmal pro Woche in einer größeren Portion (Meal Prep also) und dann im Verlauf der Woche aufgebraucht. Man macht dann eigentlich nur noch Mix & Match.

Meal-Prep Beilagen

Als Beilagen gibt es zunächst Hijiki, eine bestimmte schwarze Algensorte. Die Algenstücke sind etwa 2-3 cm lang und sehen ein bisschen aus wie größere Tannenbaumnadeln, schmecken aber viel besser. Hijiki wird meist als Salat z. B. mit Karotten, Lotuswurzel oder geschälten Edamame zubereitet.

hijiki im schüssel

Asazuke ist eingelegter Chinakohl oder Salatgurke. Man schneidet das Gemüse in bissgröße und legt es in Salz und Essig ein. Einfach, aber lecker! Es lässt sich wie die meisten eingelegten Gemüse, einige Tage im Kühlschrank aufbewaren.

Kinpira Gobou ist ebenfalls geschmortes bzw. gebratenes Gemüse. Man verwendet hierfür Wurzelgemüse wie japanische Schwarzwurzel, Karotten, Lotuswurzel oder ähnliches. Diese schneidet man in etwa Streichholz-große Stifte und brät sie in einer Pfanne an. Dann gibt man etwas Sojasoße, Zucker und Wasser hinzu und schmort das ganze bis das Gemüse weich und gar ist. Zum Schluss noch mit etwas geröstetem Sesam garnieren und fertig!

Frische Beilagen

Hiyayakko ist ein spezieller Seidentofu, der dazu gedacht ist kalt gegessen zu werden. Die Zubereitung ist denkbar einfach: Tofu aus der Packung nehmen und auf einen Teller legen, etwas Sojasoße drüber gießen, ein paar Katsuobushi Flocken darauf streuseln. Fertig!

Miso-Suppe ist ebenfalls ganz leicht gemacht. Man kocht klein geschnittenen Gemüse wie Karotten, Aubergine, Sprossen oder grünem Seetang mit Seidentofu in Wasser bis es gar ist. Dann schmeckt man die Suppe mit Miso-Paste und Dashi (am besten Konbu-Dashi) ab. Fertig! Eine kleine Variation der Miso-Suppe heißt Tonjiru (Ton=Schweinefleisch, jiru=suppe). Dafür schneidet man Schweinefleisch in ganz kleine Stückchen, brät sie in etwas Öl an und gießt den Topf dann mit Wasser auf und fügt das Gemüse hinzu. Ab dort geht es weiter wie bei der gewöhnlichen Miso-Suppe.

japanisches omlett

Tamagoyaki ist eine Art gerolltes Omelett. Dafür werden mehrere Eier mit etwas Mirin und Sojasoße verquirlt. Danach erhitzt man Öl in einer kleinen Pfanne auf mittlerer Stufe und gibt einen Teil der Eimasse in die Pfanne (bis der Boden knapp bedeckt ist und wartet bis es gestockt ist, die obere Schicht aber noch feucht ist. Dann rollt man das Omelett mit Hilfe eines Pfannenwenders auf, belässt es aber in der Pfanne. Man gibt wieder etwas Öl nach und gießt eine weitere Portion gequirltes Ei in die Pfanne. Wenn das Ei wiederum gestockt ist, rollt man das neue Omelett auf die erste Eirolle auf. Die Schritte werden wiederholt, bis die ganze Eimasse aufgebraucht ist. Zum Schluss wird die Eirolle aus der Pfanne genommen und in ca 2cm breite Scheiben geschnitten.

Hauptgerichte

In Japan werden auch die meisten Hauptgerichte zusammen mit Reis gegessen. Der Unterschied zu den Beilagen ist, dass es meistens etwas aufwendiger zu kochen ist und die Portion größer ist. Zu diesen Speisen gibt es aber auch häufig eine Auswahl an Beilagen.

Oyako Don

oyako don japan

Dieses Gericht ist ein typisches Donburi und besteht hauptsächlich aus gebratenem Hühnerfleisch und Ei auf weißem Reis. Der Name Oyako ist eigentlich ein wenig makaber, denn er bedeutet: Eltern und Kind. Nun damit sind die Hühner als Eltern und das Ei als Kind gemeint, welche hier auf Reis serviert werden.

Gegrillter Sanma

sanma fisch

Da Japan ein Inselland ist, sollte es wohl niemanden wundern, dass die japanische Küche viele Fischgerichte beinhaltet. Eine der verbreitetsten Speisen, die es in Japan Zuhause gibt ist gegrillter Sanma (pazifischer Makrelenhecht). Es ist ein typisches Herbstessen.

Da die meisten japanischen Gasherde sogar einen Fischgrill enthalten ist es super leicht und schnell gemacht. Der Fisch wird im ganzen (mit Kopf und Flossen) mit Salz eingerieben und einfach in das Grillfach gesteckt und ein bisschen Wasser in das Becken unter dem Rost eingegossen, damit der Fisch besser gart. Dann muss man nur noch warten bis der Fisch fertig gegrillt ist.

Chikuzen Ni

nitsuke

Chikuzen Ni gehört zu den Nimono und kommt ursprünglich aus dem Norden von Kyushu, ist heute aber in ganz Japan verbreitet. Es handelt sich um ein Gericht aus Hühnerfleisch, welches in Dashi, Mirin und Shiitake Brühe gekocht wird. Als Zutaten kommen dann gebratene Karotten, Lotuswurzel, Shiitake Pilze und Konyaku dazu. Es ist ein typisches Gericht, was man in Japan zu Neujahr isst, aber auch sonst gerne gegessen wird.

Ochazuke

reis und furikake

Ochazuke ist ein super einfaches und leckeres Gericht der japanischen Alltagsküche. Man richtet gekochten weißen Reis in einer Schüssel an, legt ein paar Toppings darauf und gießt zum Schluss grünen Tee (daher der Name) oder wahlweise auch Dashi darüber. Als Toppings werden gerne Seetang, Furikake, Frühlingszwiebeln (in Scheiben), Sesam, Umeboshi, eingelegtes Gemüse, Mentaiko oder Wasabi genommen.

Nikujaga

nikujaga

Dieser japanische Eintopf besteht aus Kartoffeln, Rinder- oder Schweinehackfleisch und Zwiebeln, welche in einer süßlichen Sojasoße gekocht werden. Zusätzlich gibt man manchmal noch Konyaku in Nudel-Form hinzu. Der Eintopf wird so lange gekocht bis der Großteil der Flüssigkeit verdampft ist. Nikujaga ist ein absolut typisches Essen, das im Winter gegessen wird.

Hayashi Reis

hayashi reis

Hayashi Reis ist eine dunkle, kräftige Soße mit Rindfleisch (meist Hackfleisch) und Zwiebeln, die ähnlich japanisches Curry zu Reis gegessen wird. Die Zubereitung ist denkbar einfach. Man glasiert die grob geschnittenen Zwiebeln in etwas Öl, gibt das Rindfleisch hinzu und brät es bis es gar ist. Wenn man mag, kann man das Fleisch mit etwas Rotwein ablöschen, sonst gibt man etwas Wasser in die Pfanne und löst mehrere Hayashi-Reis-Roux – das ist so ähnlich wie Brühwürfel – darin auf. Diese Würfel sind speziell für Hayashi Reis gemacht. Sobald die Soße andickt ist das Gericht schon fertig und schmeckt einfach super!

Oden

oden eier und gemüse

Ein weiteres klassisches Wintergericht ist Oden. Es besteht aus hartgekochten Eiern, Kartoffeln, Konyaku, Rettich und Surimi, welche in einer leichten Dashi-Sojasoße gekocht werden. Durch das kochen in der Brühe, nehmen sie den leicht salzigen Geschmack auf. Oden kann man super einfach Zuhause machen, aber man findet es in Japan im Winterhalbjahr auch in jedem Convenience Store.

Chirashi Sushi

chirashi sushi fische

Diese Art des Sushis ist ganz anders, als das, was wir hier in Europa so gewöhnt sind. Man könnte sogar sagen es ist die einfachste Form des Sushi. Hierfür legt man die Bestandteile, die normalerweise den Kern der Sushirolle füllen würden einfach als Topping auf eine Schüssel voll Reis. Super einfach, super lecker! Als Zutaten können hier natürlich roher Fisch, Kaviar, Tamagoyaki und vieles mehr verwendet werden. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Wer hat jetzt auch Appetit auf japanische Hausmannskost bekommen? Viele der Gerichte sind tatsächlich super einfach zu kochen und man findet die Rezepte ganz einfach im Internet (nicht immer auf Deutsch, aber zumindest auf Englisch). Es ist eigentlich schade, dass die japanische Alltagsküche (Kate ryori) außerhalb von Japan so wenig bekannt ist, da sie einfach, lecker und gesund ist.

posted by Miriam

2 Comments

  1. extended research, Yuya!
    I’d think these dishes are are more on a traditional side, and I assume diets of a lot of Japanese nowadays are a bit more Westernized on a daily basis.
    I’m a huge fan of sanma (秋刀魚)!

    1. Hi Kenta,

      Thank you for your comment. As the title already suggests, we are indead talking about dishes that are more on the traditional side, but also eaten regularly in a japanese home. I did not mean to offend you or anyone, since we just limited the amout of dishes to write about. Maybe next time I can write about the westernized home food in nowadays Japan.

      Best wishes,
      Miriam (editorial team member)

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