Japanisches Essen - Küche & Restaurants

Japanisches Essen – Feste und Bräuche

dango im frühling

Festtage und typische Speisen

Festtage und Essen gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Wo ein Fest gefeiert wird, da scheint es unweigerlich auch etwas bestimmtes zu Essen zu geben. Welche Speisen das sind, ist natürlich von Land zu Land bzw. von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich. So kommen auch in Japan zu bestimmten Anlässen ganz spezielle (mehr oder weniger traditionelle) Gerichte auch den Tisch. Welche Feste in Japan gefeiert werden und was dann typischerweise gegessen wird, haben wir uns einmal genauer angeschaut.

Osechi im neuen Jahr

osechi japanische küche

Neujahr beginnt in Japan mit einem kulinarischen Knaller. Dieser heißt Osechi und deutet schon an, welche Art von Speisen es geben wird. Osechi bedeutet nämlich zu Deutsch “Hofbankett”. Typischerweise ist es eine große hölzerne oder lackierte Box, die gefüllt ist mit vielen verschiedenen raffinierten Speisen. Sie enthält häufig eine Auswahl an Meeresfrüchten und wildem Gemüse aus den Bergen. Diese Rohstoffe werden traditionell in sehr zeitaufwendigen Einzelschritten gekocht, gebraten, gedünstet… oder auf sonstige Arten zubereitet. Die sorgsame Zubereitung des Osechi gilt als Ritual für die shintoistischen Götter und soll die Diversität des Götterhimmels wiederspiegeln.

Heutzutage kaufen viele Japaner die Osechi in guten japanischen Restaurants auf Vorbestellung, denn diese stehen, den selbst gemachten sowohl in Auswahl als auch in Qualität in nichts nach.

Nanakusa Gayu zum Setsubun

reisbrei

Am 7. Januar folgt dann das Fest namens Nanakusa no Setsubun. Es bedeutet: Die 7 Kräuter des Frühlingsanfangs. Der Verzehr des sogenannten Nanakusa Gayu ist ein ursprünglich chinesisches Ritual, welches es in Japan seit der Heian Zeit (um 700) gibt und für ein langes und gesundes Leben sorgen soll. Zu diesem Anlass, werden die ersten Sprösslinge und frischen Blättchen der Kräuter gesammelt und einem Reisbrei zugegeben. Jedem der Kräuter werden andere Eigenschaften zugeschrieben, welche den Körper stärken sollen.

1. Seri = Räumt den Magen auf, appetitanregend, blutdrucksenkend und fiebersenkend

2. Nazuna = Abschwellend und entgiftet die Leber und Nieren

3. Gogyo = Schleimlösend, gegen Husten und Halsschmerzen

4. Hakobara = Gegen Bauchschmerzen und Magenentzündungen

5. Hotokenoza = Appetitanregend, gut für den Magen und gegen Zahnschmerzen

6. Suzuna = Gegen Verdauungsprobleme, Gefrierbrand und gegen Sommersprossen

7. Suzushiro = Stärkt das Immunsystem und ist allgemein gut für die Haut

Die Informationen über diese Kräuter und ihre Wirkungen sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden, denn es handelt sich wohl eher um Volksweisheiten aus der Zeit vor der modernen Medizin.

Inari Sushi am Hatsu Uma no Hi

inari sushi

Am 02. Februar wird in Japan der Hatsu Uma no Hi gefeiert. An diesem Tag geht man zu einem der Inari Schreine, um für gute Geschäfte und Segen für den Haushalt zu beten. Zu Essen gibt es an diesem Tag eine spezielle Form von Sushi. Sie heißt Inari Sushi (benannt nach der Göttin der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse) und besteht aus 2 Teilen: Sushi Reis und kleinen Taschen aus frittiertem Tofu, welche in einer Marinade aus Zucker, Sojasoße, süßem Reiswein und Bouillon eingelegt wurden. Diese Taschen werden mit dem leicht angesäuerten Sushi-Reis gefüllt.

Chirashi Sushi beim Hina Matsuri

chirashi sushi fische

Am 03. März wird das Hina Matsuri oder auch Mädchenfest gefeiert. Die Tradition kommt ebenfalls ursprünglich aus China und der Legende nach wurden Puppen aus Papier, Stroh oder anderen Pflanzen gebastelt (ähnlich wie Voodoo-Puppen) und dann in einen Fluss oder ins Meer geworfen. Das Unglück haftete dann an diesen Puppen und trieb mit ihnen davon.

Als dieser Brauch nach Japan kam, erinnerte es sie an die Hina Puppen mit denen die adeligen kleinen Mädchen spielten und nannten das Fest folglich, Hina Matsuri. Dadurch wurde es über die Zeit zum Fest der Mädchen. Heutzutage feiert man das Hina Matsuri, um für gutes Aufwachsen der Töchter zu beten. An diesem Tag gibt es typischerweise Chirashi Sushi. Wer möchte, kann hier mehr über dieses Gericht erfahren.

Hanami Dango zur Kirschblüte

dango im frühling

Hanami ist vielleicht eines der berühmtesten Festivitäten Japans, denn es feiert die Kirsch- und Pflaumenblüte (je nach Region zwischen Anfang Februar und Anfang Mai). Dieser Brauch stammt aus der Heian-Zeit (um 700), als die adeligen (gelangweilten) Herrschaften am Kaiserhof, nichts besseres zu Tun hatten, als die vergängliche Pracht der Kirschblüte zu bewundern.

Offiziell gibt es das Hanami (Blütenschau) mit Picknick unter den Blüten seit 1598, als Toyotomi Hideyoshi ein großes Fest mit über 1300 Leuten organisierte und dafür extra 300 Kirschbäume in Kyoto pflanzen ließ. Bei dem Fest wurden auch erstmalig die heute typischen 3-farbigen Hanami Dango verteilt. Dango sind kleine, kugelige Reiskuchen aus Reismehl, die auf einen Bambusspieß gesteckt werden. Neben dem weißen gibt es noch einen rosanen, mit dem Geschmack von roter Pflaume oder Sakura (Kirsche) und einen grünen Reiskuchen, der mit Yomogi (Beifuß) eingefärbt wird. Über die Zeit hinweg wurde das Hanami auch bei der einfachen Bevölkerung immer beliebter und ist heute ein großes Volksfest.

Kashiwa Mochi zum Kodomo no Hi

mochi auf dem teller

Am 05. Mai folgt dann der Tag für die kleinen Jungen. Der Tag heißt eigentlich Kodomo no Hi, also Tag der Kinder, aber da die kleinen Mädchen schon einen besonderen Tag hatten, wurde er zum Tag an dem die Eltern für das wohlbehaltene Aufwachsen ihrer Söhne beten. Als besondere Speise gibt es an dem Tag die Kashiwa Mochi (Reiskuchen, die in ein Eichenblatt gewickelt sind). Dies soll als Metapher dafür stehen, dass die kleinen Jungen zu großen starken Eichenbäumen heran wachsen. Denn bei Eichen fallen die alten Blätter erst, wenn die neuen Blätter nachwachsen. Im übertragenen Sinne heißt das so viel wie: Der Familienclan wird auch weiterhin stark sein und weiter leben, wenn die kleinen Jungs zu starken Männern werden.

Soumen an Tanabata

soumen nudel

Tanabata wird am 07. Juli in Japan gefeiert. Es ist der Tag der Liebenden, denn es gibt die Legende, dass sich der junger Bauer Hikoboshi in die bildschöne Göttin Orihime verliebte und sie sich ebenfalls in ihn. Der Vater von Orihime, war jedoch mit dieser Liebe nicht einverstanden und trennte das Paar voneinander, in dem er einen großen Fluss zwischen ihnen zog. Orihime verfiel in tiefe Trauer, weil sie ihren Geliebten nicht mehr treffen konnte. Diese Trauer erweichte das Herz des Vaters und er gestattete ihnen sich für einen Tag im Jahr zu sehen (an Tanabata). Als sie irgendwann starben, malte der Vater ihr Bildnis in die Sterne und Hikoboshi und Orihime sind auf Ewigkeit durch die Milchstraße getrennt. In Japan werden an diesem Tag Wünsche (häufig bezogen auf die Liebe) auf bunte Zettel geschrieben und an Bambus-Bäume geknotet, damit sie von den Göttern erhört werden.

An Tanabata isst man spezielle kalte Nudeln namens Soumen. Sie werden zusammen mit einer Soße, in die sie getaucht werden, gegessen.

Festival Food an Obon

takoyaki mit bonito flocken

Obon, das japanische Fest der Toten, wurde ursprünglich im siebten Monat des chinesischen Mondkalenders gefeiert (7 heißt auf japanisch “Shi” und steht für den Tod). Heute feiert man es aber um den 15. August herum. An den Tagen werden Laternen erleuchtet, die Gräber der Vorfahren gereinigt, gebetet und getanzt (Bon-Odori). Genau genommen, gibt es für diese Tage nicht DAS spezielle Essen, aber da Obon meist wie ein Sommerfest gefeiert wird, gibt es hier auch die klassischen Matsuri-Speisen wie Takoyaki, Curry, Yakisoba, Dango, Terriyaki Chicken, Kakigori und so weiter.

Tsukimi Dango zum Vollmond-Fest

dango auf dem teller

Im September und Oktober gibt es jeweils zum Vollmond das so genannte “Tsukimi” oder Mond anschauen. Dieser Brauch stammt ebenfalls aus der Heian-Zeit und kam ursprünglich wie so vieles andere auch aus China. Es wurde der Mond als Zeichen des Lebens gefeiert. Ähnlich wie die Erscheinung des Himmelskörpers nimmt auch die Fruchtbarkeit des Menschenlebens erst zu und dann wieder ab. Zu dieser Zeit war das Tsukimi jedoch nur in adeligen Kreisen verbreitet. Viel später erst in der Edo-Zeit (ab 1600) wurde Tsukimi auch bei Bauern populär uns als eine Art Erntefest gefeiert. Wichtig für das Tsukimi ist auch die Susuki-Pflanze (japanisches Pampagras). Sie ähnelt den reifen Reisähren und taucht daher häufig in Vorstellungen, wie Tsukimi sein muss, mit auf. Typisches Essen sind Dango, weil sie aussehen wie kleine Monde und saisonales Gemüse wie Edamame und Taro-Kartoffeln.

Chitose Ame zu Shichigosan

kimono ame

Shichigosan ist ein japanisches Fest, bei dem die Kinder in traditionelle japanische Gewänder gekleidet werden und mit ihren Eltern zum Schrein gehen, um für Gesundheit und ein langes Leben zu beten. Der Name Shichigosan setzt sich aus den japanischen Zahlen für 7-5-3 zusammen und bedeutet das Mädchen im Alter von 3 und 7 und Jungen im Alter von 3 und 5 diesen Schreinbesuch machen. Es stellen jeweils Übergangsriten dar, die aus der adeligen bzw. Samurai-Schicht der Edo-Zeit stammen. Zur Belohnung bekommen die Kinder dann das sogenannte Chitose-Ame (Chitose = 1000 Jahre leben, Ame = Süßigkeit), welche eine Art Zuckerstange ist. Diese werden direkt am Schrein verkauft und sind häufig in Verpackungen mit Schildkröten- oder Kranich-Muster gewickelt. Die Tiere stehen in Japan für ein langes Leben.

Chicken an Weihnachten

hähnchen im korb

Obwohl Japan kein christliches Land ist, hat es Weihnachten trotzdem in den fernen Osten geschafft. Dort ist es allerdings kein ruhiges Familienfest wie bei uns, sondern ein Pärchen-Tag wie Valentinstag. Abgesehen davon feiern Kinder natürlich mit ihren Eltern und es gibt auch Single-Parties. Außerdem wird kein Festbraten oder ähnliches zubereitet, sondern es bilden sich am 25. Dezember unglaublich lange Schlangen vor den KFC Läden, denn für viele Japaner ist Weihnachten gleichbedeutend mit Hähnchenschenkeln von der amerikanischen Fast-Food Kette.

Diese neuere Tradition entstand kurz nach dem 2. Weltkrieg, als die amerikanischen Besatzungstruppen über Weihnachten in Japan waren. Die Soldaten wollten zwar ganz nach der amerikanischen Tradition Truthahn essen, da dies aber nicht verfügbar war, haben sie stattdessen Hähnchen gegessen. Die Japaner haben es dann damals so adaptiert und der Konzern ist einfach auf die Welle mit aufgesprungen (ob das ganze nun authentisch ist oder nicht, war ihnen vermutlich einfach egal). Seit vielen Jahren gibt es nun also regelmäßig große KFC Weihnachtsaktionen in Japan.

Soba an Silvester

soba in dem schüssel

Das Jahresende (Toshikoshi) wird in Japan eher bescheiden, besinnlich und ruhig angegangen. Man isst klassischerweise Soba Nudeln aus Buchweizenmehl. Diese Tradition beruht auf einem Tempel in Hakata (Kyushu) in der Kamakura-Zeit. Dort haben die Mönche Soba-Mochi an arme Leute verteilt, damit sie im neuen Jahr mehr Glück haben mögen. Statt den Soba Mochi werden heute Soba Nudeln gegessen, die eine doppelte Bedeutung tragen: Soba als Glücksbringer und lange Nudeln als Symbol für ein langes, gesundes Leben. Gegen Mitternacht versammeln sich die Japaner an einem buddhistischen Tempel in ihrer Nähe und warten auf die 108 Glockenschläge. Diese stehen für die 108 Sünden des Buddhismus.

Wie wir gesehen haben, hat das japanische Kalenderjahr durchaus viele Feiertage. Manche gibt es schon seit mehreren hundert Jahren in Japan, andere erst seit ein paar Dekaden. Doch auch wenn viele Feste eigentlich ausländischen Ursprungs sind, werden sie mit genauso viel Hingabe gefeiert, wie die anderen Festivitäten.

Posted by Miriam & Yuya

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